Ein Verein ist wie ein Chor oder Orchester: Wenn alle im Takt sind, klingt es wunderbar. Wenn aber jeder sein eigenes Tempo anschlägt, wird’s schnell schräg. Genau hier setzt Vereinscoaching an – und genau deshalb ist Matthias Wallisch im Auftrag des Schwäbischen Chorverbands und der Chorakademie unterwegs, um Vereine zu begleiten, die Lust auf Zukunft haben.
Viele kennen das: Der Vorstand rackert sich ab, die Sitzungen ziehen sich endlos, und die Frage „Wie gewinnen wir eigentlich Nachwuchs?“ oder „Woher nehmen wir das Geld für das nächste Projekt?“ hängen wie ein Dauer-Ohrwurm im Raum. Dazu kommen veränderte Lebensrealitäten, volle Terminkalender und manchmal auch eine Vereinsstruktur, die älter ist als das Internet. Kein Wunder also, dass sich manche Vereine fragen: „Wie lange geht das noch gut?“
Gleichzeitig bringen viele Engagierte aus ihrem Beruf enorme Kompetenzen mit: Sie arbeiten tagtäglich zielgruppenorientiert, ressourcenschonend oder strategisch. Doch in der Vereinsarbeit prallen diese Lebensrealitäten oft aufeinander. Da hilft ein neutraler Vermittler, der Verständnis schafft, ohne die Älteren zu überfordern, und gleichzeitig die Jüngeren für Kooperation begeistert. Traditionen können wertvoll sein – manchmal brauchen sie aber einen frischen Blick von außen.
Die gute Nachricht: Vereine sind zäher, als man denkt. Mit ein wenig Unterstützung von außen finden sie erstaunlich schnell wieder in die Spur. Genau hier kommt Vereinscoaching ins Spiel.
WAS MACHT EIN VEREINSCOACH EIGENTLICH?
Nein, ich komme nicht mit der Trillerpfeife und lasse alle Liegestütze machen – obwohl das ein lustiger Anblick wäre. Vereinscoaching heißt Zuhören, Nachfragen, Impulse geben. Gemeinsam analysieren wir die aktuelle Situation und entwickeln Wege, die passen: nicht von der Stange, sondern maßgeschneidert und behutsam, im Tempo des Vereins.
Ich bringe Erfahrung aus Pädagogik, Supervision und Organisationsberatung mit – vor allem aber ein neutrales Ohr. Das ist oft schon die halbe Miete: Endlich lassen sich Dinge offen ansprechen, ohne dass gleich jemand beleidigt den Probenraum verlässt.
TYPISCHE THEMEN AUF DEM TISCH
- Nachwuchsgewinnung: Wie schaffen wir es, dass wieder junge Leute Lust auf unseren Verein haben – ohne gleich TikTok tanzen zu müssen? Nachwuchs heißt aber nicht automatisch Jugendarbeit.
- Vorstand entlasten: Wer macht was? Und wie verhindern wir, dass immer dieselben alles stemmen?
- Strategie & Zukunft: Wollen wir so weitermachen oder gibt es Formate, die besser zu uns passen? Was macht uns einzigartig, was hindert uns, und worauf können wir bauen?
- Veränderungen moderieren: Manchmal reicht ein kleiner Impuls, um alte Zöpfe abzuschneiden – oder um Bestehendes neu zu beleben.
ERSTE ERFAHRUNGEN AUS DER PRAXIS
Bei meinem ersten Coaching saßen wir in einem Vereinsheim mit viel Geschichte – und noch mehr Fragen. „Wie kriegen wir neue Mitglieder?“, wollte einer wissen. „Wie werden unsere Sitzungen kürzer und konstruktiver?“, fragte ein anderer.
Die perfekte Lösung gab es nicht sofort – aber die richtigen Fragen. Am Ende war die Stimmung gelöst, und einer sagte den Satz, den ich mir notiert habe: „Wir haben heute keine neuen Mitglieder gewonnen – aber wir haben wieder Lust bekommen, welche zu suchen.“
Solche Momente zeigen: Coaching ist kein Zaubertrick, sondern eine Einladung, gemeinsam Klarheit zu schaffen.
ZWEITES BEISPIEL: ZWISCHEN VEREINSAUFLÖSUNG UND VORSTANDSWIRRWARR
Ein anderes Coaching führte mich in einen Verein, in dem die Stimmung deutlich gedrückt war. Der Vorstand bestand seit Jahren aus denselben Personen. Sie waren engagiert, aber mit rechtlichen Fragen und organisatorischen Pflichten überfordert. Im Raum stand sogar die Überlegung: „Vielleicht lösen wir den Verein einfach auf – das wäre am einfachsten.“
Doch im Gespräch zeigte sich: Es fehlte nicht am Willen, sondern am Wissen und an Orientierung. Wer unterschreibt eigentlich was? Welche Pflichten hat ein Vorstand wirklich – und welche Sorgen sind bloß überholte Horrorszenarien?
Wir sortierten Schritt für Schritt, klärten Verantwortlichkeiten und entlasteten die Vorstände spürbar. Ein Knackpunkt war das Maifest, das nach Corona nur noch Verluste gemacht hatte. Der Vorstand stellte den Mitgliedern die Entscheidung klar vor: Beitragserhöhung oder ein Gewinnziel von 2.500 Euro für das nächste Fest. Das einstimmige Votum lautete: „Wir packen das gemeinsam an.“
Mit vereinten Kräften wurde das Maifest ein voller Erfolg – finanziell und in der Außenwirkung. Die Gemeinde nahm den Verein wieder als aktiven Teil des Ortslebens wahr. Am Ende war allen klar: Eine Auflösung war nie nötig. Was fehlte, war ein klareres Rollenverständnis und der Mut, Aufgaben zu verteilen.
Das Fazit nach einem halben Jahr brachte ein Mitglied auf den Punkt: „Wir haben heute nicht gelernt, wie man einen Verein auflöst – sondern wie wir ihn am Leben halten.“
WARUM DAS GANZE?
Ein Verein, der sich weiterentwickelt, klingt wie ein Chor, der wieder mehrstimmig singt: harmonisch, lebendig, voller Energie. Anfangs noch holprig, dann immer sicherer – mit Mut, Übung und manchmal auch Begleitung. Vereinscoaching hilft, diesen Klang wiederzufinden. Es bietet:
- einen frischen Blick von außen,
- praxiserprobte Impulse aus der Vereinsentwicklung,
- und eine Begleitung auf Augenhöhe.
Kurz: wie ein Stimmgabel-Anschlag – klein, aber wirkungsvoll.
AUSBLICK: VEREINSCOACHING STÄRKT DIE CHORLANDSCHAFT
Wenn einzelne Vereine sich stabilisieren, profitieren nicht nur deren Mitglieder. Auch die Chorlandschaft insgesamt gewinnt: Weniger Doppelstrukturen, mehr Kooperationen, neue Ideen für gemeinsame Projekte und eine lebendigere Präsenz in der Öffentlichkeit. Coaching kann so ein Katalysator sein – nicht nur für den einzelnen Verein, sondern für ein ganzer Netzwerk, das dadurch vielfältiger, moderner und anschlussfähiger wird. Am Ende geht es darum, dass Chöre und Vereine ihre eigentliche Stärke wieder voll ausspielen können: Gemeinschaft stiften, Kultur und Mitbestimmung erlebbar machen und Menschen zusammenbringen.
UND JETZT?
Die erste Coaching-Sitzung ist für interessierte Vereine kostenfrei. Probieren Sie es aus – ohne Risiko, aber mit der Chance, Ihren Verein neu zu entdecken. Und wenn es nicht funkt? Dann war es zumindest ein Gespräch, das Impulse gesetzt hat.
Mehr Infos zum Vereinscoaching gibt es online unter www.s-chorverband.de/vereinsfuehrung/vereinscoaching
Matthias Wallisch ist Ansprechpartner für qualitative und moderne systemische Begleitung, Coaching und Supervision im Großraum Stuttgart. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich in einem Gesangverein, den er seit 2005 organisatorisch leitet und im Kreisverband in Esslingen für Gesangvereine. Coaching heißt für ihn: Begleitung und Unterstützung in Veränderungsprozessen.
www.matthias-wallisch.de
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