Beantragt wurde die Förderung gezielt für das Teilprogramm „Zukunftswerkstatt“ des Bundesverband Chor und Orchester. Dieses ist darauf ausgelegt, Vereine bei strukturellen und organisatorischen Fragestellungen zu unterstützen. Für den Liederkranz Ehningen war schnell klar, dass genau hier Bedarf besteht. „Also nichts Musikalisches oder so, sondern: Wie können wir den Verein weiterentwickeln?“, beschreibt der Vorsitzende Manfred Klinger die Ausgangslage.
Der Impuls kam von außen
Die erste Idee für den Förderantrag entstand laut Klinger nicht isoliert im Verein, sondern im Austausch mit dem Verband. Auf einer Veranstaltung des Regionalchorverbands stellte Isabelle Arnold vom Schwäbischen Chorverband das Thema Vereinscoaching vor. Dort wurde auch auf entsprechende Fördermöglichkeiten hingewiesen. „Unser Regionalchorverband kümmert sich darum, dass wir solche Informationen bekommen – sei es ein Förderprogramm vom Verband selbst, vom Land oder eben vom Bund“, so Klinger.
Diese Rolle als Informationsschnittstelle sei zentral. Zwar recherchierte der Vorsitzende zusätzlich selbst, vor allem online, doch ohne den ersten Hinweis aus dem Verband wäre der Förderweg womöglich gar nicht eingeschlagen worden. Der Prozess entwickelte sich über einen längeren Zeitraum: vom ersten Impuls Anfang 2024 bis zur Antragstellung im Juni desselben Jahres.
Antragstellung zwischen Idee und Formalien
Die eigentliche Antragstellung beschreibt Klinger als überschaubar – zumindest, was den reinen Zeitaufwand betrifft. Er schätzt, dass er etwa vier Stunden damit beschäftigt war. Aufwendig sei jedoch nicht das erstmalige komplette Ausfüllen, sondern das wiederholte Überarbeiten, Nachdenken und schließlich das Abstimmen im Vorstand. Der Antrag selbst bestand aus einem umfangreichen Onlineformular mit formalen Angaben zum Verein, ergänzt durch einen Finanzplan. Gefragt war eine plausible Darstellung der eigenen Situation und der Gründe, warum externe Unterstützung notwendig ist.
Herausfordernd war laut Klinger vor allem der Finanzplan. Dessen Struktur und Begrifflichkeiten sind für Ehrenamtliche nicht immer leicht zu durchschauen. Die Logik und Sprache der Tabellen seien nicht selbsterklärend, zumal jedes Förderprogramm eigene Systematiken habe. Entscheidend sei hier der Umgang mit offenen Fragen. Statt zu rätseln, suchte der Vorsitzende früh den Kontakt zur Bewilligungsstelle. „Ich habe einfach die Unterlagen hingeschickt und gesagt: Da habe ich noch ein Problem, da habe ich noch eine Frage“, berichtet er. Rückmeldungen kamen zeitnah, Korrekturen konnten unkompliziert vorgenommen werden. Der Prozess der Antragsstellung erwies sich damit weniger als Einbahnstraße denn als Dialog.
Förderung heißt auch: begleiten, berichten, anpassen
Mit der Förderzusage im September 2024 erhielt der Verein dann eine feste Ansprechperson beim BMCO. Ein einführendes Seminar vermittelte zu Projektbeginn die wichtigsten formalen Rahmenbedingungen der Förderung – eine hilfreiche Orientierung, auch wenn man sich nicht alle Details über den langen Projektzeitraum merken konnte, so Klinger. Es folgten Newsletter und klare Vorgaben zu Projektlaufzeit, Ausgaben und Berichtsfristen. Für jeden geforderten Bericht gab es zudem eine Vorlage, die die geforderten Informationen enthielt und das Erstellen der Berichte damit deutlich vereinfachte.
Das Coaching selbst fand dann in mehreren Schritten Anfang des Jahres 2025 statt. Ziel war es, Themen zu bearbeiten, bei denen Vorstand und Aktive Teil des Systems und eingefahrene Sichtweisen schwer aufzubrechen sind. Die Arbeit mit einer außenstehenden Person half laut dem Vorsitzenden dabei, Fragestellungen zu strukturieren und mit Abstand zu betrachten. Dieser Blick von außen wurde als entlastend und ordnend wahrgenommen, weil er half, Diskussionen zu objektivieren und die eigene Vereinsblase zeitweise zu verlassen.
Der gesamte Förderprozess erstreckte sich über rund anderthalb Jahre: Antrag im Juni 2024, Bewilligung im September, Zwischenbericht zum Jahreswechsel, Abschluss im Herbst 2025. Während des Prozesses mussten ursprüngliche Zeitpläne angepasst werden – auch das wurde Klinger zufolge offen kommuniziert und akzeptiert. Besonders eindrücklich schildert Klinger eine Situation, die viele Ehrenamtliche kennen dürften: Als er Monate nach Projektende an den noch fehlenden Abschlussbericht erinnert wurde, „ist es mir heiß den Rücken runtergelaufen“. Die Sorge, durch Fristüberschreitungen die Förderung zu gefährden, stellte sich jedoch als unbegründet heraus. Ein klärendes Gespräch reichte, um Missverständnisse auszuräumen. „Da gab es sehr viel Entgegenkommen und kein Problem“.
Nicht neu gedacht, sondern neu formuliert
Für Klinger zeigt der Blick auf den Förderprozess sowie auf vergangene Förderungen im Liederkranz Ehningen insbesondere, dass Förderwürdigkeit nicht nur durch neue Ideen entsteht, sondern häufig durch eine andere Beschreibung dessen, was im Verein ohnehin geplant oder bereits umgesetzt wird. Eine Förderung zu beantragen bedeute nicht zwangsläufig, etwas völlig Neues zu erfinden. Oft reiche es, bestehende Projekte neu einzuordnen und den Schritt zu wagen, einen Antrag zu stellen.
Sein Rat an andere Vereine ist entsprechend ermutigend: „Einfach versuchen – aber mit einer klaren Idee und einer ehrlichen Darstellung.“ Förderanträge seien ein guter Anlass, sich mit den eigenen Projekten und Strukturen auseinanderzusetzen. Oder, wie Klinger es formuliert: „Anträge stellen, aber mit Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein“.
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