Kein Winter ohne musikalische Schneemänner
Sie haben keinen weihnachtlich-religiösen Hintergrund wie der Nikolaus, das Christkind oder die Rauschgoldengelchen, aber sie übertreffen diese in der winterlichen Festdekoration bereits um Längen: die Schneemänner!
Als lustige Motive bevölkern sie Grußkarten und Papierservietten, ihre Silhouette dient als Form für Backwerk oder Christbaumkugeln, und sie schmücken zahlreiche Gegenstände, die „Schneemänner“ und „Schneeweiblein“. Kein Wunder, dass sie in der populären Musik- und Filmkultur gleichfalls eine tragende Rolle zu spielen beginnen. Wer sich diesen Winter z. B. Disneys Broadway-Musical „Die Eiskönigin“ antun möchte, wird um eine quirlige, singende Schneefigur namens Olaf nicht herumkommen. Auch im „Walt Disney Studio Park“ in Paris wirbeln in der „World of Frozen“ roboter-animierte weiße Schneemann-Kugeln lebensecht in der Landschaft herum, reden und singen zum Vergnügen für Jung und Alt.
Mein Herz zerschmilzt vor lauter Seligkeit
Walt Disney war allerdings nicht der einzige, der Schneemänner zum Leben erwecken und zum Singen bringen konnte. Schon 1944 tat das ein in Potsdam gedrehter Trickfilm „Der Schneemann“ nach einem Buch von Horst von Möllendorff. Der kalte Held dieser Geschichte legt sich, seiner Winterfreuden überdrüssig, im Eisschrank schlafen, da er einmal den Sommer erleben möchte. In der Jahresmitte erwacht, tanzt und singt er dann in der Hitze langsam vor sich hinschmelzend:
„Das ist der Sommer meines Lebens,
wie schön bist du im Blütenkleid.
Wer dich geseh‘n, lebt nicht vergebens,
mein Herz zerschmilzt vor lauter Seligkeit.“
Der Film griff übrigens auf eine bekannte Geschichte von Hans Cristian Andersen (1805-75) mit dem Titel „Der Schneemann“ zurück.
von Michelangelo bis Weiße
So wichtig, wie wir heute im „Zeitalter der Erderwähnung“ den Schneemann nehmen, war er in früheren Jahrhunderten wohl nicht in der Vorstellungswelt präsent. Zwar hat man sicher schon früh bemerkt, dass man mit Schnee gut modellieren kann, aber ob man damit auch wirklich Figuren gebastelt hat, ist nur sehr dürftig überliefert. So soll sich angeblich der Renaissance-Bildhauer Michelangelo mit Schneefiguren beschäftigt haben, sicher überliefert ist das aber nicht.
Populär ist der Schneemann wohl erst im späten 18. Jahrhundert geworden. Dort erscheint er in Darstellungen als Personifikation des Winters. Er macht dabei allerdings mehr einen grimmigen als einen lustigen Eindruck. Der Begriff „Schneemann“ selbst taucht übrigens erstmals in einem gleichnamigen Gedicht von Cristian Felix Weiße (1726-1804) in dessen „Kinderliederbuch“ auf. Dort heißt es:
„Der schöne Schneemann – ey wie groß,
Ein riesenmäßiger Coloß!
Doch ach! die liebe
Sonne scheint,
Und er zerrinnt, eh
mans gemeint.
Ihm gleicht ein
eitler leerer Kopf,
Von weitem glänzt
der arme Tropf,
Doch der Verstand
beleucht ihn nur,
So schmilzt die
schimmernde Figur.“
Für den Dichter aus der Epoche der Aufklärung ist die leicht dahinschmelzende Schneefigur also nur ein Sinnbild für den geistig unterbelichteten Menschen. Sehr viel freundlicher geht da die Moderne mit ihm um.
Swinging Christmas mit Ellas „Frosty“
Die unvergleichliche Ella Fitzgerald hat mit ihrem Song „Frosty The Snowman“ 1960 dem eisigen Kerl ein musikalisches Denkmal als einem coolen Spaßvogel gesetzt. Das Libretto schildert nicht nur, wie und aus welchen Materialien ein Schneemann zusammengebastelt wird, sondern auch, wie man ihn zum Leben erweckt, nämlich mit einem alten Zauberhut!
That‘s Frosty the Snowman
He‘s a jolly happy soul
With a corncob pipe and a button nose
And two eyes made out of coal.
Frosty the snowman
Is a fairytale they say.
He was made of snow
But the children know
How he came to life one day.
In dem zu diesem Song angefertigten offiziellen Video, einem kleinen Animationsfilm, ist Frosty dann natürlich quicklebendig zu sehen, und neben ihm noch drei singende swingende Schneefrauen. Eben jenes fiktive Schneevölkchen, dem wir heute in der populären Musik- und Bildwelt so häufig begegnen.
In diesem Sinne:
Allen ein frohes neues Jahr!
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