D-Kurse in der Chorjugend des Schwäbischen Chorverbands
Vier Tage der Herbstferien zu opfern, um Gehörbildung und Musiktheorie zu büffeln, ist es das wirklich wert? Und ob. Die D-Lehrgänge bieten viel mehr als das. Sie schaffen einen Raum für chorbegeisterte Jugendliche, die ihre Fähigkeiten erweitern und in Kontakt mit Gleichgesinnten treten wollen. Dabei stehen Spiel, Spaß und natürlich das Singen im Vordergrund, wie dieser Erfahrungsbericht zeigt.
Durch meine damalige Chorleiterin des Jugendchors meiner Heimat war ich 2020 auf den D1-Lehrgang aufmerksam geworden und meldete mich einfach mal an, ohne groß etwas darüber zu wissen. Mir waren zwar die D-Lehrgänge der Bläserjugend ein Begriff, dennoch konnte ich mir nicht allzu viel darunter vorstellen. Werden dann zum Beispiel Tonleitern gesungen statt gespielt? Und was kann man denn alles über so etwas Ungreifbares wie die eigene Stimme lernen?
Ich war damals Teil des D1-Online-Vorbereitungskurses, was mir vorab einen Einblick dafür gab, was uns während der Lehrgangstage alles erwarten würde. Unterricht in Musiktheorie, Gehörbildung und Stimmphysiologie, Einzelstimmbildung, Chorproben – ganz nach meinem Geschmack. So führte mich mein Weg in den Ferien also nach Bad Schussenried mit der Erwartung, noch einiges mehr über die Sprache der Musik, das Singen alleine oder gemeinsam im Chor zu lernen. Außerdem freute ich mich darauf, die anderen aus den Online-Meetings endlich mal in echt zu sehen.
Dass sich meine Erwartungen nach und nach erfüllt hatten, bemerkte ich schnell. Zwar waren viele Stunden des Sitzens unabdingbar für das Vermitteln der Inhalte, doch dies glich sich in Form von Kennenlernspielen oder auch Einsingübungen im Chorkontext wieder aus.
Lernen, Singen und Zusammensein
Mit den anderen Teilnehmenden verstand ich mich sehr gut. Sicher trug das gemeinsame Singen im Chor dazu bei, noch schneller und besser als Team zusammenzuwachsen, in welchem gegenseitige Unterstützung und ein respektvoller Umgang miteinander großgeschrieben werden. Ich erinnere mich, wie wir einmal in der Mittagspause die Zeit genutzt und im Chorsaal zu unseren Lieblingsliedern getanzt und gesungen oder einfach das Klavier bearbeitet haben. Das war sehr lustig.
Doch neben dem Spaß standen natürlich auch Fleiß und Konzentration auf dem Programm. Am Ende sollten bei der Prüfung nämlich alle ihr Bestes geben können. Und dann gab es ja auch noch das Abschlusskonzert für die Eltern. Somit waren auch Aufregung und ein wenig Lampenfieber stets Begleiter des Lehrgangs, die sich letzten Endes aber zu Erleichterung und Glück verwandelten.
Als der Lehrgang dann vorbei war, ging es beseelt und mit dem Kopf voller Ohrwürmer zurück nach Hause. Damals war ich froh zu wissen, dass es ja noch den D2- und den D3-Lehrgang gibt, und ich wusste, ich komme wieder.
Aha-Momente in Theorie und Stimmbildung
Rückblickend, mit den anderen beiden Lehrgängen schon längst hinter mir, wird mir bewusst, wie prägend diese Tage waren. Besonders wichtig waren für mich persönlich zum einen der Unterricht in Musiktheorie und Gehörbildung und zum anderen die Einzelstimmbildung.
Ersteres, weil für mich plötzlich sehr vieles Sinn ergab. Dinge, die in der Musik „einfach so sind“, bekamen plötzlich eine logische Erklärung, und das weckte mein Interesse noch mehr. So fühlte ich mich auch darin bestärkt und ermutigt, in der Schule in der Oberstufe dann den Musik-Leistungskurs zu wählen.
Letzteres, die Stimmbildung, war für mich ebenfalls eine sehr wegweisende Erfahrung. Die Stimmbildnerin, die mit uns vor Ort war, konnte sehr gute Tipps geben und weiterhelfen. Ich habe mich bei ihr sofort wohlgefühlt. Außerdem hatte ich somit das erste Mal die Möglichkeit, zu erfahren, wie klassischer Gesangsunterricht aussehen kann.
Allein in diesen wenigen Tagen hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas in meinem Kopf „Klick“ macht und ich grundlegende Dinge des Singens zu verstehen beginne. Als ob sich gerade die Türen einer mir bisher unbekannten neuen Welt öffneten. Darüber hinaus hatten die Dozierenden meines Erachtens mit solcher Freude und motivierender Energie die Inhalte vermittelt, sodass sich alle wohlfühlten.
Etwas schade war nur, dass wir insgesamt nicht allzu viele Jugendliche waren. Vor allem für das Singen im Chor wäre eine größere Teilnahmezahl hilfreich gewesen. Doch ich bin überzeugt, dass es da draußen viele Interessierte gäbe, die es anzusprechen gilt.
Warum sich der Weg zum D-Kurs lohnt
Ich kann sagen, dass mich die Lehrgänge vor allem in musikalischer Hinsicht sehr geprägt haben. Sie waren konkret in meinem Fall ein großer Mitgrund, weshalb ich mich irgendwann dafür entschied, klassischen Gesangsunterricht zu nehmen. Sie gaben mir zudem mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in meine Fähigkeiten. Die Lehrgänge stellen für mich eine musikalische Basis dar, von der aus sich mir immer wieder neue Möglichkeiten ergeben haben. Und ich bin mir sicher, dass ich da nicht nur für mich spreche.
Zukünftigen Teilnehmenden möchte ich mitgeben: Wenn auch ihr stimmlich und musikalisch mehr Vertrauen in euch gewinnen wollt und mehr über die Welt der Musik und des Chorsingens erfahren wollt, dann seid ihr hier genau richtig..
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