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Allgemein, Chorleben, Chorverband Otto Elben

COE Projektchor auf den Spuren der Mauren

Vera Fleisch
Gabriele Roske
4. Mai 2026
Eine Reise voller Geschichte, Genuss und Magie

Vom 28.03.-09.04.2926 reiste der COE Projektchor durch Andalusien und Marokko.

 

Die Rundreise führte zunächst über Zürich nach Faro in Portugal. Dort wurde der Chor von einer guten Bekannten erwartet, die selbstverständlich mit einem Ständchen begrüßt wurde. 2024 führte Frau Barbara die „Travelsingers“ bereits durch Portugal. Von Faro aus ging es dieses Mal aber direkt Richtung Spanien.

 

Die erste Station war Sevilla, die Stadt der Könige und des Flamenco. Da die „Heilige Woche“, die „Semana Santa“, die vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag geht, begonnen hatte, befand sich Sevilla im Ausnahmezustand.  Über 60 Bruderschaften zogen durch die Stadt und jeden Tag gab es Prozessionen. Und auch die Kapuzenmänner (Nazarenos) waren überall unterwegs.  Natürlich ist diese Stadt auch sonst überaus geschichtsträchtig, ist doch Christoph Columbus von Huelva (ca. 70 km von Sevilla entfernt) aus nach Indien gestartet und in der Kathedrale von Sevilla beigesetzt.

In Cordoba besichtigten wir unter anderem die Mesquita-Catedral, UNESCO Weltkulturerbe. Eine riesige Kirche innerhalb einer noch größeren Moschee und auf der ganzen Welt einzigartig. Am nächsten Tag fuhren wir an unendlichen Olivenplantagen vorbei nach Granada. Hier besuchte die Reisegruppe eine Flamencoschule, die den traditionellen Tanz und Gesang pflegt. Die Vorführung war ein absolutes Highlight. Am zweiten Tag in Granada bestand die Möglichkeit, auf eigene Faust, das älteste Stadtviertel Albaicin über endlose Stufen zu erklimmen. Und nachdem wir ja tags zuvor wie auch in Sevilla schon Teile der Prozession gesehen hatten und den ganzen Tag auf den Beinen waren, traf man sich lieber im 8. Stock unseres Hotels auf dem Rooftop. Genehmigte sich ein Bier oder einen Sangria und genoss einen schönen Blick auf Granada. Am Donnerstag früh hieß es wieder Koffer packen. Nach unserem obligatorischen Abschiedsständchen im Hotel ging es hinauf zur Alhambra. Eine der bedeutendsten historischen Anlagen Europas und ein herausragendes Beispiel maurischer Architektur in Spanien. Sie liegt auf dem Sabikah-Hügel oberhalb der Stadt Granada und überblickt das Tal des Flusses Darro. Wir besichtigten zuerst die Gärten Generalife mit der ehemaligen Sommerresidenz der Sultane und dann den Renaissancepalast von Karl V. Anschließend ging es in die Nasriden Paläste, wo wir aus dem Staunen angesichts der prächtigen Ausstattung nicht mehr herauskamen. AM Nachmittag machten wir uns auf den Weg über Málaga nach Algeciras.

 

Von hier verließen die „Travelsingers“ am Karfreitag Europa. Über die Straße von Gibraltar ging es mit der Fähre nach Tanger Med in das Königreich Marokko. Nachdem sich alle auf der Fähre verteilt und ein ruhiges oder sonniges Plätzchen gefunden hatten, um die Überfahrt zu genießen, kam die Ansage, dass alle Passagiere zur Passkontrolle kommen müssen. Nach 90 Minuten Überfahrt, es waren gerade so alle abgefertigt, legten wir auch schon in Tanger an. Mit neuem Reiseleiter Adil und neuem Busfahrer Ismail fuhren wir zuerst nach Tetuan, wo wir die Altstadt besichtigten. Wer schon einmal in Afrika auf einem Markt war, kennt die Händlerstände mit im Freien hängendem Fleisch, freilaufenden Hühnern, dichtem Gedränge, verschleierten Frauen und ungewohnten Gerüchen.

Auf der Weiterfahrt gab uns Adil viele Informationen über sein Heimatland, welche Bedeutung hier Wasser hat, dass Olivenöl genau wie in Spanien zum Grundnahrungsmittel gehört und dass die Sprache marokkanisch und berberisch sei, französisch aber eine Fremdsprache ist und ab der 3. Klasse unterrichtet wird.

Ganz in der Nähe der „blauen“ Stadt Chefchaouen verbrachten wir die erste Nacht in Marokko in sehr urig und landestypisch eingerichteten, kleinen zweistöckige Häusern mit Schafen vor der Tür.

Bevor wir am nächsten Morgen in Richtung Fès aufbrachen, besichtigten wir die „blaue“ Stadt Chefchaouen und es ging in verwinkelte Gässchen mit Händlern, kleinen Plätzen, vielen Sackgassen, verzierten Türen und verschiedenen Gerüchen. Fast alle Häuser sind in weiß/blau gestrichen und die Stadt gilt deswegen als immaterielles Kulturerbe der UNESCO.

Nach drei Stunden zu Fuß bergauf und bergab fuhren wir dann in die 194 km entfernte Stadt Fès. Auf dem Weg dorthin gab uns Adil wieder viel Wissenswertes mit auf den Weg. Z.B. wird vom marokkanischen Königshaus ein sehr gemäßigter Islam vorgelebt und so leben auch alle drei Weltregionen in diesem toleranten Land seit jeher friedlich zusammen. Da Adil auch ein begeisterter Hobbykoch ist, gab er sein Rezept für das traditionelle Gericht „Tajine“ preis. Dieses Schmorgericht wird in einer Art Römertopf zubereitet, besteht u.a. aus Zwiebeln, Fleisch, speziellen Gewürzen und Gemüse. und gaaaanz wichtig – Zwiebeln immer ganz unten.

Nach einer mehrstündigen Busfahrt vorbei an endlosen Olivenhainen, Orangenbäumen, unzählige Schafherden, Eseln und Dromedaren; die Straße war mal 4-spurig und gut ausgebaut und mal voller Schlaglöcher und sehr schmal; unser Fahrer Ismail meisterte die oft kurvige Strecke mit Bravour und schlängelte sich an sehr langsamen Lastern mit Gasflaschen vorbei, wich waghalsigen Überholern aus und schlich durch viele Baustellen; im Hintergrund ging es immer noch am Gebirge Rif und seinen Ausläufern entlang, kam die Reisegruppe endlich in Fés an.

Fès ist eine Stadt des Handwerks, der Religion und der Bildung. In einer Keramikmanufaktur durften wir bei einzelnen Arbeitsschritten zusehen und es wurde uns erst jetzt bewußt, wie aufwendig die Mosaiken hergestellt werden, die überall in Marokko gegenwärtig sind.

 

Es ist Ostersonntag und der Chor darf in einem Gottesdienst mitwirken. Was wir dort erlebten, war etwas ganz anderes, als wir erwartet hatten. Es war nämlich ein evangelikaler Gottesdienst der Gemeinde aus Gabun, der eigentlich mindestens zwei Stunden dauert, von einem Chor und einer Band begleitet wurde und sehr an einen Gospelgottesdienst aus den USA erinnerte. Die Bibelverse wurden vorgesungen und die ganze Gemeinde sang immer mal wieder mit. Mit viel Emotionen und Hingabe wurde an die Geschichte und die Bedeutung des Osterfestes erinnert. Nach einer Stunde hatten wir die Gelegenheit unsere Art der Kirchenmusik darzubringen und der Kontrast hätte größer nicht sein können. Die Überraschung war auf beiden Seiten spürbar, aber trotzdem war die Atmosphäre sehr herzlich. Da ohnehin ein ständiges Kommen und Gehen war, wohnten wir nicht dem ganzen Gottesdienst bei. Das war einfach zu lang und unser nächstes Highlight, die Medina von Fés, ist ein riesiges Labyrinth aus ca. 9000 engen Gassen, traditionellen Häusern und Märkten und UNESCO Weltkulturerbe.

Neben Fés gehören auch Meknés, bekannt als das „marokkanische Versailles“ und die marokkanische Hauptstadt Rabat zu den Königsstädten, welche wir am Ostermontag erkundeten. Die Medina in Meknés ist nicht ganz so verwirrend wie die Medina in Fés, aber zum verlaufen würde es auch reichen. In Rabat besuchten wir das Mausoleum von Mohammed V, dem Großvater des heutigen Königs, das drittgrößte Mausoleum weltweit. Es ist nur mit den wertvollsten Materialien ausgestattet, so ist der Sarkophag aus weißem Onyx und die Decke mit Gold verziert. Die vier Eingänge werden von der königlichen Garde bewacht, deren Kleidung und Gewehr uns aber eher an eine Szene aus Karl May’s „Der Shut“ erinnerte. Am Ende dieses Tages kamen wir in der größten Stadt Marokkos, in Casablanca, an. Nach dem Besuch der Hassan-II.-Moschee – der größten Moschee Afrikas mit einem 175 Meter hohen Minarett, dem höchsten der Welt – sowie des Wohnviertels Anfa, des Platzes der Vereinten Nationen und der Corniche von Aïn Diab fuhren wir ins Hotel zum Abendessen. Nach einem Schlaftrunk hieß es dann erst einmal Körper und Geist pflegen.

Der vorletzte Tag unserer Reise brach an. Es stand uns ein langer Bus Tag bevor, denn es ging ins 270 km entfernte Marrakech. Auf der gesamten Strecke säumten rechts und links riesige Felder und Plantagen die Route soweit das Auge reichte. So grün hatten wir uns Nordmarokko nicht vorgestellt. In Marrakech angekommen, fühlte man sich wie auf der A81 zwischen Böblingen-Hulb und Böblingen-Ost mit Baustellen und viel Verkehr. Und in der Medina, die „nur“ ca. 4000 Gassen hat, musste man schon wieder aufpassen, dass man nicht über den Haufen gefahren wurde oder verloren ging.

Wir bewunderten die Koutoubia Moschee, die Platz für 25.000 Gläubige bietet, besichtigten einige Räume des Bahia Palastes der ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe ist und u.a. Kulisse für Hollywood Filme, wie „Der Wüstenlöwe“ und „Lawrence von Arabien“ war.

Der Garten Majorelle ist in mitten dieser lebendigen Stadt eine wohltuende Oase. Riesiger Bambus, Bananenstauden und Kakteen wachsen hier. Nachdem die Seele aufgetankt hatte, ging es wieder ins Getümmel, nämlich zum Gauklerplatz Djemaa-el-Fna. Früher war hier der Treffpunkt der Karawanen, heute Treffpunkt der Händler mit Garküchen, Obstständen, dressierten Berberaffen und Schlangenbeschwörern. Zum Abschluss waren wir im Dar Essalam, einem marokkanischen Lokal unter der Altstadt, in dem 1956 Szenen des Hitchcock Films „Der Mann, der zu viel wusste“ gedreht wurde. Nach einem sehr sehr langen Tag waren alle fix und fertig, fielen müde ins Bett und träumten (vielleicht) von 1000 und 1 Nacht in Marrakesch.

Unser letzter Tag führte uns in den Südosten über das Hohe Atlas Gebirge. Man fragte sich immer wieder, ist das Österreich oder Marokko? Ein weiterer Stopp war bei der Kasbah Air Ben Haddou nahe von Ouarzazate. Es ist ein Beispiel für einen befestigten Lehmziegelbau, der verschachtelt gebaut und auch UNESCO Weltkulturerbe ist. Dieser diente als Kulisse für Hollywoodfilme wie „Gladiator“ und „Game of Thrones“.

An diesem Tag hatten wir von Regen, Sonne, Wind, Nebel, Kälte und Hitze wettertechnisch alles mitgenommen, was der Wettergott zu bieten hat. Nur geschneit hat es nicht, aber die höchsten Gipfel des Hohen Atlas waren schneebedeckt! Nach der Rückkehr im Hotel hieß es noch für den Rückflug nach Zürich, am nächsten Morgen, einzuchecken.

 

Eine weitere Reise des COE Projektchores ging zu Ende. 45 „Travelsingers“ reisten ungefähr 6000 km mit dem Flugzeug, dem Bus und der Fähre, besuchten auf 2 Kontinenten 14 Städte, besichtigten 4 Königspaläste, sangen auf unzähligen Plätzen, sammelten tolle, spannende Eindrücke in 2 Ländern, die unterschiedlich sind und doch viel geschichtliches und kulturelles gemeinsam haben.

Eine solche Reise ist für uns nicht nur ein touristischer Ausflug. Musik ist eine Sprache, die man überall versteht und ein besonderes Gemeinschaftserlebnis.

Vielen Dank an Alle, die während der Reise immer eine helfende Hand hatten. An Clemens, der uns wieder fit für die Auftritte gemacht hat und vor allem an Klaus und Waltraud für die lange Vorbereitungszeit, die Organisation, Eure Geduld und Euren Humor.

Ein digitaler Reiseblog der die Daheimgebliebenen täglich mit exklusiven Einblicken versorgte, soll in der Zukunft dazu beitragen, sich an diese Reise zu erinnern. Interessierte können die Reise unter folgendem Link hautnah nachempfinden: https://andalusien-marokko.chorverband-otto-elben.de/

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