Die finanzielle Situation vieler Kommunen ist derzeit von Defiziten und steigender Verschuldung geprägt. Gleichzeitig nehmen die Aufgaben zu, ohne dass eine ausreichende Gegenfinanzierung durch Bund und Länder erfolgt. In dieser Lage geraten häufig sogenannte freiwillige Leistungen unter Druck – darunter auch die Kultur. Die Verbände betonen jedoch, dass der staatliche Kulturauftrag nicht als freiwillige Zusatzleistung verstanden werden dürfe. Kunst und Kultur seien kein verzichtbares Beiwerk, sondern grundlegender Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.
Musik, Kunst und Kultur leisten nach Auffassung der Verbände einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität in Städten und Gemeinden. Sie sind Teil der Bildungsinfrastruktur und tragen zum sozialen Zusammenhalt bei. Insbesondere die kulturelle Bildung vermittelt Kindern und Jugendlichen zentrale Kompetenzen wie Kreativität, Konzentrationsfähigkeit, Teamarbeit und Selbstwirksamkeit. Kürzungen in diesem Bereich wirkten sich daher nicht nur auf das kulturelle Angebot aus, sondern stünden auch im Widerspruch zum Bildungsauftrag der öffentlichen Hand.
Darüber hinaus heben die Verbände die gesellschaftliche Funktion von Kultur als verbindendes Element hervor. Musik, Tanz, Theater, Literatur und bildende Kunst schaffen Begegnungsräume, fördern Verständigung zwischen Generationen und Kulturen und stärken das Gefühl von Zugehörigkeit. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen seien diese Brückenfunktionen von besonderer Bedeutung. Kulturelle Bildung wird deshalb als Investition in die Zukunft verstanden, die soziale und emotionale Kompetenzen kommender Generationen stärkt.
Die Unterzeichner des Appells weisen zudem darauf hin, dass die Kulturausgaben nicht Ursache der kommunalen Finanzprobleme seien. Dennoch träfen Einsparungen Kulturschaffende und Institutionen häufig besonders früh und überproportional. Da viele Einrichtungen kaum finanzielle Rücklagen haben, führten bereits vergleichsweise geringe Kürzungen zu erheblichen und unmittelbaren Auswirkungen. Gleichzeitig seien die tatsächlichen Einsparpotenziale im Kulturbereich insgesamt begrenzt.
Vor diesem Hintergrund fordern die baden-württembergischen Kulturverbände den Verzicht auf asymmetrische, überproportionale Kürzungen in der Kultur, eine stärkere Konzentration auf tatsächliche Kostentreiber sowie die Anerkennung kultureller Leistungen als festen Bestandteil der Bildungsinfrastruktur des Landes.
Initiiert wurde der Appell vom Landesmusikrat Baden-Württemberg, der als Dachorganisation rund 75 Verbände und Institutionen der Musikpflege vertritt und nach eigenen Angaben etwa 1,6 Millionen Mitglieder repräsentiert. Unterstützt wird der Aufruf unter anderem vom Landesverband der Musikschulen Baden-Württemberg, dem Landesmusikverband Baden-Württemberg, dem Tonkünstlerverband Baden-Württemberg sowie kirchenmusikalischen Verbänden der evangelischen Landeskirchen in Württemberg und Baden.
Anzeige


