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SINGEN April 2026, Thema

Musizieren und Gesundheit

Bernhard Richter & Claudia Spahn
1. April 2026
Wichtiges Rahmenprogramm auf dem Landes-Musik-Festival 2026

Musik bewegt – emotional, sozial und körperlich. Wissenschaftliche Studien zeigen zunehmend, dass aktives Musizieren nicht nur kulturell bereichert, sondern auch die Gesundheit stärkt. Welche positiven Effekte insbesondere das Singen auf Körper und Psyche hat und warum das Landes-Musik-Festival 2026 das Thema „Musik und Gesundheit“ in den Mittelpunkt stellt, erläutern Bernhard Richter und Claudia Spahn vom Freiburger Institut für Musikermedizin.

In Deutschland ist die Musikkultur nach wie vor ein zentraler gesellschaftlicher Faktor, wie aktuelle Ergebnisse des Musikinformationszentrums (miz) zum Thema Amateurmusizieren aus dem Jahr 2025 belegen. Laut dieser repräsentativen Befragung sind 16,3 Millionen Menschen musikalisch aktiv, das entspricht 21,1 % der Gesamtbevölkerung. Sängerisch aktiv sind 6,6 Millionen, das entspricht 8,3 %. Noch besser sehen die Zahlen bei den Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 15 Jahren aus. Hier sind 3,8 Millionen musikalisch aktiv – das entspricht 49,7 % – und sängerisch aktiv 1,4 Millionen – entsprechend 18,6 %. In den Verbänden der Amateurmusik sind mit jeweils annährend 2 Millionen Menschen (instrumental rund 1,6, vokal rund 1,9) etwa gleich viele Menschen engagiert. 

All diese Zahlen sind erfreulich, aber nicht erstaunlich, denn Musik hat nachweislich zahlreiche positive Effekte auf jeden Einzelnen und die Gemeinschaft: sie schafft Raum für Muße und Kreativität – Musik ist wichtig für die kulturelle Identität der Gesellschaft – Musik fördert in positiver Weise die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder und Jugendlichen – und mit Musik ist das Leben einfach schöner! 

Musik hat aber auch positive Effekte auf die Gesundheit. Beispiele hierfür finden sich schon in der kulturellen Überlieferung aus der Antike, wo Orpheus durch seinen Gesang wilde Tiere besänftigen und sogar seine Frau Euridice aus dem Totenreich befreien und zurück ins Leben bringen konnte. Auch aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist schon länger bekannt, dass Menschen, die häufig an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen, eine signifikant höhere Lebenserwartung aufweisen als Menschen, die kulturell nicht aktiv sind. 

Wir nehmen diesen positiven Effekt durchaus wahr, wie aktuell an einer großen Stichprobe der Deutschen Nationalen Gesundheitsstudie (NAKO) deutlich wurde. Bei über 6000 Befragten, von denen rund die Hälfte musikalisch aktiv waren, konnte gezeigt werden, dass zwischen dem subjektiv empfundenen Gesundheitszustand und der musikalischen Aktivität ein positiver Zusammenhang besteht. Diejenigen, die aktiv musizierten, schätzen ihren Gesundheitszustand als deutlich besser ein als die musikalisch Inaktiven. Die Anzahl der Stunden, die man im gesamten Leben musiziert hat, verstärkte den Effekt, wenn die Zahl von rund 1000 Stunden in der Lebensspanne überschritten wurde. Dies sind sehr ermutigende Zahlen!

 

Die Bedeutung des Singens

In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde besonders das Singen intensiv ins Blickfeld genommen. Auch hier sind die Ergebnisse eindeutig positiv: Bei Menschen, die aktiv singen, wird die Abwehrkraft des Immunsystems gesteigert, aktives Singen führt unmittelbar zu vermehrter Ausschüttung von »Glückshormonen«, den Endorphinen, und durch Chorgesang wird die soziale Verbundenheit durch die Ausschüttung des »Bindungshormons« Oxytocin gestärkt. Deswegen kann man die Musik und den Gesang durchaus auch als ein unverzichtbares »Grundnahrungsmittel« begreifen.

Bei einer Befragung, die das Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM) zusammen mit dem Deutschen Chorverband und der BDB Musikakademie Staufen durchgeführt hat, wurde die Frage gestellt, wie bewusst den Musizierenden ist, dass sie durch das Musizieren etwas Gutes für ihre Gesundheit tun. Insgesamt haben 2303 Personen teilgenommen, darunter 1763 Chorsänger:innen und 504 Instrumentalist:innen. Es zeigte sich, dass für 42 % der Musiker:innen die Gesundheit eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielte, Musik zu machen. 9 % hatten noch gar nicht darüber nachgedacht und für 49 % spielte es eine geringe Rolle. Mit zunehmendem Alter wurde die positive Wirkung für die Gesundheit wichtiger, vor allem bei denjenigen, die älter waren als 65 Jahre, eher gering war dies jedoch bei den Jüngeren unter 30 Jahren. 

Die Ergebnisse waren sehr aufschlussreich, da offensichtlich die positive Wirkung des Musizierens gerade bei den heute psychisch belasteten jüngeren Menschen nicht vergleichbar präsent ist wie die Verknüpfung von Gesundheit mit Bewegung oder Sport. Umso wichtiger also, dass das diesjährige Landes-Musik-Festival das Thema „Musizieren und Gesundheit“ aufgreift und so mehr Bewusstheit für die gesundheitsförderlichen Wirkungen des Musizierens erreichen können. 

Die menschliche Stimme ist eines der Merkmale, die jeden einzelnen Menschen vom sprichwörtlichen „ersten Schrei“ bis zum „letzten Wort“ individuell auszeichnet. Sie ist nahezu untrennbar mit den Funktionen der Atmung und der Emotion verbunden. Sie gilt als eines der wichtigsten Ausdrucks- und Kommunikationsmittel des Menschen. Die emotionale Erreichbarkeit des Menschen durch die Stimme ist universell ablesbar an bestimmten Musikstücken. 

So wird weltweit Beethovens musikalische Umsetzung von Schillers Ode „An die Freude“ im Schlusschor seiner 9. Symphonie als freudig erregte, jubilierende Musik unmittelbar verstanden, auch wenn die Menschen den deutschen Text oder dessen Bedeutung nicht kennen. Die Singstimme ist in ähnlicher Weise als transkulturelles Phänomen anzusehen: Gesungene Wiegenlieder beruhigen weltweit die Kinder. Die Stimme ist aber auch ein Instrument, welches gepflegt werden will. 

 

„Musik tut gut“

Bei so vielen nachweislich positiven Effekten der Musik erscheint es sehr sinnhaft, dass sich das Landes-Musik-Festival im Jahr 2026 das Motto „Musik tut gut“ gegeben hat. Der veranstaltende Landesmusikverband Baden-Württemberg (LMV) steht seit langem in engem inhaltlichem Austausch mit dem Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM). Diese jahrelange Verbindung, die sich insbesondere in der Corona-Pandemie verstärkt hatte, ermöglicht auf dem diesjährigen Landes-Musik-Festival aktive Beiträge von Mitarbeitenden des FIM, die den Teilnehmenden am Festival direkt zugutekommen werden. 

An unterschiedlichen Stationen im Stadtgebiet werden auf dem Festival verschiedene Schwerpunkte der Musiker:innengesundheit angeboten. Sie beinhalten das Kennenlernen von Übungen zur Körperwahrnehmung und die Anleitung von Übungen zu „warm up“ und „cool down“, Gehörschutz bei Musiker:innen – einschließlich der Möglichkeit einen individuellen Hörtest im Hörmobil der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) durchführen zu lassen –, Tipps zum Umgang mit Lampenfieber und Vieles weitere mehr. Ergänzt werden diese praktischen Angebote durch ein Mini-Symposium, auf dem die Leiter des FIM, Prof. Dr. Dr. Claudia Spahn und Prof. Dr. Bernhard Richter, Fachvorträge in allgemein verständlicher Form zu den Themen Stimme und Instrumentalmusik sowie Gesundheitsförderung durch Musizieren für die Interessierten anbieten. 

 

Bernhard Richter & Claudia Spahn
Freiburger Institut für Musikermedizin, Hochschule für Musik und Universitätsklinikum Freiburg

Claudia Spahn & Bernhard Richter

Claudia Spahn & Bernhard Richter Foto: Schilling

Die gesamte Klangvielfalt Baden-Württembergs beim Landes-Musik-Festival am 20. Juni 2026 in Sinsheim

Das Landes-Musik-Festival fand erstmals 1998 statt und hat sich seither zum größten Festival für Amateurmusik in Baden-Württemberg entwickelt. Organisiert vom Landesmusikverband Baden-Württemberg vereint es jährlich zahlreiche Chöre, Musikvereine, Orchester und weitere musikalische Ensembles. Sie inspirieren sich gegenseitig und begeistern das Publikum mit der ganzen Vielfalt der baden-württembergischen Musiklandschaft. In diesem Jahr sorgen rund 130 Ensembles mit über 3.700 Musikerinnen und Musikern auf 10 Bühnen in der Innenstadt von Sinsheim für ein unvergessliches Musikerlebnis. Von A wie Akkordeon bis Z wie Zither ist eine große Bandbreite an Ensembles und Musikstilen vertreten. Zahlreiche Auftritte und Mitmachkonzerte laden zum Zuhören, Entdecken und Mitmachen ein.

Highlights des diesjährigen Kooperationspartners Blasmusikverband Baden-Württemberg (BVBW) sind das Landesblasorchester Baden-Württemberg sowie das Verbandsjugendorchester Rhein-Neckar. Das Rahmenprogramm zum Thema „Musik und Gesundheit“ ergänzt das Festival mit interessanten Fakten: einem Symposium, Workshops und partizipativen Formaten wie einem Demenzsimulator und Hörmobil. Auch Kinder und Jugendliche kommen auf ihre Kosten: Die Landesmusikjugend Baden-Württemberg bietet ein abwechslungsreiches Programm mit Kinderkonzerten und spannenden Aktionen.

Ob alt oder jung, groß oder klein, Klassik- oder Popfan, beim Landes-Musik-Festival kommen alle auf Ihre Kosten und das ganz kostenlos!

www.landes-musik-festival.de

Amateurmusik, Landesmusikverband, Veranstaltung
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