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Allgemein, Thema

Hören und gehört werden

Sandra Bildmann
1. Mai 2026
Bild: maginfic.com/photoangel

– Wie(so) sich Großprojekte besonders zur Mitgliedergewinnung eignen

 

Es ist die Herausforderung der aktuellen Zeit: Menschen zum Singen motivieren. Das bedeutet einerseits, jene zum Mitmachen zu begeistern, die bislang bestenfalls im Publikum saßen; es bedeutet aber genauso, diejenigen zu halten, die schon Mitglied in Chören sind. Die einen nicht überfordern, die anderen nicht langweilen. Den einen die Einstiegshürden möglichst niedrig gestalten, den anderen in ihrem Anspruch gerecht werden.

Was alle Ansatzpunkte und Strategien für eine stabile Mitgliederzahl im Verein eine, sollte ein klares Ziel sein, auf das man hinarbeitet, macht Holger Frank Heimsch im Gespräch mit der SINGEN deutlich. Großveranstaltungen seien „definitiv ein probates Mittel“, denn „Highlights“ wirkten besonders reizvoll, weiß Heimsch aus Erfahrung. Der Präsident des Wilhelm-Hauff-Chorverbandes ist seit einigen Jahren federführend in der Organisation der seit 1972 alle drei Jahre stattfindenden „Stuttgarter Chortage“ tätig.

In diesem Jahr treten 24 Ensembles in 16 Konzerten an sieben Orten innerhalb von gut zwei Wochen auf. Bei den vergangenen beiden Auflagen waren die Stars von „Maybebop“ und „Die Füenf“ attraktive Magnete. Über 20 Erst-Sänger:innen seien damals jeweils „in Chören hängengeblieben und haben Blut geleckt“, erzählt Heimsch. „Wir sehen das als Schaufenster für die Amateurchorszene“, sagt Heimsch, „um Singen als attraktives Hobby in der Gesellschaft bekannt(er) zu machen.“ Denn die eigene Freizeitgestaltung richtet sich nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je bekannter – und einladender – ein Angebot, desto höher die Nachfrage. Stichwort Strahlkraft. Mit den von der Stadt Stuttgart geförderten Chortagen bekommen die teilnehmenden Chöre eine Plattform, sich zu präsentieren und zu vernetzen.

Auftreten ist die beste Werbung

„In der Öffentlichkeit auftreten und auf sich aufmerksam machen ist die beste Werbung“, sagt Holger Frank Heimsch. Nur so haben Menschen, die bislang keinen Bezug zum (Chor-)Singen, ggf. einem Chorverein haben, die Chance, überhaupt auf die Aktivitäten des Chores aufmerksam zu werden. „Wenn man nirgends auftritt, gesehen und gehört wird: Woher sollen die anderen dann wissen, dass es einen gibt?“, verdeutlicht Heimsch und verweist auf ein Paradebeispiel: 2012 übernahm er den damals 14 Sänger:innen zählenden „Chormäleon“. Im Folgejahr trat der Chor beim „Open Sound – Festival junger Chöre“ in Göppingen auf; begeisterte Jugendliche wollten fortan mitsingen, nahmen sogar einen Anreiseweg von rund 60 Kilometern zur Probe auf sich. Der Chor entwickelte sich. Vieles laufe – in diesem Fall wie generell – über Mund-zu-Mund-Empfehlungen und -Anwerbungen im Bekanntenkreis, so Heimsch. Heute zählt der Chor rund 90 Mitglieder.

Heimsch nennt ein weiteres positives Beispiel: Der Liederkranz Botnang hatte einen Projektchor für junge Sängerinnen und Sänger ausgerufen: drei Proben plus Auftritt. Daraus entwickelt habe sich ein Popchor, der sich nun aus circa 30 Leuten formiert habe, um bei den Chortagen aufzutreten.

Uraufführung mit über 200 Sänger:innen

Engagierte Regionalchorverbände können mit ihren Aktivitäten vorangehen, ihren Mitgliedschören Starthilfe geben und sie zu eigenen Vorhaben inspirieren. So plant der im Kreis Esslingen verortete Chorverband Karl Pfaff angedockt an das SCV-Großprojekt „200 Jahre Sängerfest“ im Juni 2027 die Aufführung von „Karl Pfaff – Stimme der Demokratie. Ein musikalisch-szenisches Historical“. Gut 200 Personen werden mitwirken können, erzählt der stellvertretende Verbandspräsident Matthias Wallisch. Weil die Resonanz auf die Uraufführung mit bekannter, aber neu arrangierter Literatur bereits jetzt sehr gut sei, sei Teil des Konzepts, das Werk so aufzubereiten, dass die Vereine „die Stücke für daheim verwenden können“.

Auch diese Initiative soll dazu beitragen, dass sich Chöre präsentieren und in Austausch kommen, dass eine Art Partnerschaftsbörse entsteht für Kooperationen aller Art. Statt eines Konkurrenzkampfs sollen Synergien genutzt werden. Sichtbarkeit und Präsenz sind auch seine obersten Ratschläge für stabile bzw. wachsende Mitgliederzahlen.

„Große Projekte sind mit viel Arbeit verbunden“, räumt Matthias Wallisch ein, „und man braucht Visionen.“ Der Chorverband Karl Pfaff und der Wilhelm-Hauff-Chorverband wollen mit ihren Großprojekten hier ansetzen: Sie verteilen die Arbeit auf mehreren Schultern, geben Vereinen eine kostenlose bzw. kostengünstige Starthilfe, insbesondere, weil sie ihnen eine (Auftritts-)Plattform zur Verfügung stellen. Großveranstaltungen böten die Chance, Kontakte zu knüpfen: mit anderen Chören, aber auch mit Vereinen ohne Musikbezug, zeigt Wallisch auf. Durch gemeinsame Veranstaltungen ließen sich neue Zielgruppen erreichen. Vereine könnten sich auch untereinander zusammentun und auf ihren Regionalchorverband mit einer entsprechenden Idee zugehen, regt Matthias Wallisch an. Heimsch betont außerdem den Wert der Vernetzung mit Blick auf potenzielle Förderer. Es gehe darum, „mit Partnern ins Gespräch zu kommen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit“ auszuloten.

Anreize durch das Außergewöhnliche

Außergewöhnliche Veranstaltungen eignen sich oftmals als Zugpferde – für die einen zum Reinschnuppern, für die anderen als Highlight ihres Hobbysänger:innen-Alltags. Die einen wollen gewonnen werden, die anderen gehalten. Event-Charakter oder Festival-Format, populäres Repertoire, die Zusammenarbeit mit Stars oder ein attraktiver Aufführungsort bilden Anreize – nicht nur für aktive Sänger:innen, sondern auch für ein potenzielles Publikum.

Und dazu kommt: Solche Auftritte lassen sich wiederum gut vermarkten, auf der Webseite und auf Social Media. Partner können Videos und Beiträge teilen, wodurch diese sich verbreiten, vervielfacht ausgespielt werden und somit weitere Zielgruppen erreichen. Wallisch und Heimsch sind sich einig: Wer sich zeigt, präsentiert, auftritt – in erster Linie live auf der Bühne, aber natürlich auch digital im Netz und analog auf Flyern und Plakaten – hat aussichtsreiche Argumente und Chancen, neue Mitglieder zu erreichen und fürs aktive Mitmachen zu begeistern.

Und das liebe Geld?

Nicht immer bedeuteten Großprojekte für die Vereine einen finanziellen Kraftakt, so Heimsch. Bei Angeboten wie den von der Stadt geförderten und vom Chorverband durchgeführten Chortagen halte sich die monetäre Eigenleistung der Teilnehmenden sowieso im überschaubaren Rahmen. Für die Mitmach-Workshops fällt eine Gebühr pro Person an. Heimsch findet: „Jedes Hobby kostet Geld, warum dann das Singen nicht?“ Mit einem Unkostenbeitrag sollten die Kosten für das Logistische, die Versicherung, Noten, Rechte, und Lizenzen gedeckt sein. „Auch die Arbeit der Komponisten muss gewürdigt werden!“

Was unter den Begriff Großveranstaltung fällt, welche Dimension Projekte haben, damit sie als großes Event angesehen werden, ist natürlich Definitionssache. Es müsse nicht unbedingt ein mehrtägiges Festival sein, weist Heimsch auf einfachere Formate hin. Es gebe viele Möglichkeiten, ein Projekt mit Eventcharakter zu realisieren, das in seiner Einzigartigkeit besondere Anreize zur Mitwirkung liefere. Gerade die Zusammenarbeit mit anderen Interessengruppen, Förderern und Verbänden berge diesbezüglich Potenzial.

Erfolgsbeispiel eines Vereins

Nur in seltenen Fällen kann ein Verein alleine ein Großprojekt wuppen. Dem Gesangverein Hartheim im Zollernalb-Kreis aber ist das 2023 gelungen („Die Erfolgsstory des GV Hartheim“, SINGEN 04/2024). Mit akribischer Planung, Förderantragstellung mehr als ein Jahr im Voraus und viel Engagement hat es der Verein geschafft, das eigene Ziel zu erreichen: ein legendäres Mega-Chorevent. Zum ersten offiziellen Treffen für das Projektensemble „Hochalb-Chor“ kamen über 100 Interessierte, statt im Probenraum traf man sich in der Festhalle. Die Ergebnisse der groß angelegten Werbekampagne („Sing mit beim großen Hochalb-Chorevent!“) hatten die Erwartungen des Vereins weit übertroffen. Zahlreiche neue Mitsänger:innen waren der Lohn, am Ende ging tatsächlich ein denkwürdiges Mega-Event vor rappelvoller Stadthalle über die Bühne.

Anmeldung für beide Großprojekte noch möglich

Für beide o.g. Großprojekte können sich Vereine, aber auch Einzelpersonen anmelden.

Im Rahmen der 14. Stuttgarter Chortage finden zwei Workshops mit jeweiligem Abschlusskonzert statt: „Sing mal ANDERS“ mit der Freiburger A-cappella-Band ANDERS (15., 16. und 19. Juli) sowie „Faszination Männerstimmen – gemeinsam klingen, gemeinsam auftreten“ mit dem Kolping-Chor Stuttgart (donnerstags ab 11. Juni bis zum Konzert am 23. Juli). Für beide Workshops wird eine Teilnahmegebühr erhoben, die Noten und Übe-Files inkludiert.

Weitere Infos und Anmeldung unter

www.chortage.chorverband-stuttgart.de/workshopensembles

Eine Übersicht aller teilnehmenden Chöre soll auch Einzelpersonen die Möglichkeit geben, am großen Projekt „Karl Pfaff – Stimme der Demokratie. Ein musikalisch-szenisches Historical“ des Chorverbands Karl Pfaff (Kreis Esslingen) ermöglichen. Der Probenbeginn ist für September 2026 vorgesehen. Die Aufführung findet im Rahmen des vom Schwäbischen Chorverband ausgerichteten „200 Jahre Sängerfest“ am 4./5. Juni 2027 in Plochingen statt.

Weitere Informationen in Kürze unter www.chorverband-karl-pfaff.de

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