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Allgemein, SINGEN 2026-07

Editorial

Dorothee Götz
1. Juli 2026
Titelbild: Dorothee Götz
Credit: Thomas Wagner

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Konzertprogramm entsteht selten zufällig – und wenn doch, spürt man es. Unter dem Thema „Das Konzertprogramm als Komposition“ lädt diese Ausgabe dazu ein, die Dramaturgie eines Konzerts bewusst in den Blick zu nehmen: Welche Stücke folgen aufeinander? Welche Stimmungen werden aufgebaut, gebrochen oder weitergeführt? Welcher rote Faden verbindet das Einzelne zu einem Ganzen?

Vielleicht haben Sie sich ja mit diesem Thema – bewusst oder intuitiv – auch schon befasst? Als Sängerin und Chorleiterin mit Konzertdiplom und jahrelanger Bühnenerfahrung kann ich Sie nur ermutigen, solche Überlegungen in Ihre Konzertplanung einfließen zu lassen. Ein gut komponiertes Programm nimmt das Publikum mit, weckt Neugier und schafft Orientierung, ohne vorher alles erklären zu müssen. Es ermöglicht den Zuhörenden, sich auf die Musik einzulassen, weil das Programm selbst eine Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ gibt.

Den weniger Erfahrenen sei an dieser Stelle gesagt, dass diese Art der Konzertplanung gar nicht schwierig ist, denn es gibt grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder steht am Anfang ein Motto, zu dem anschließend passende Werke gesucht werden. Oder die Stücke sind bereits ausgewählt, und erst danach stellt sich die Frage, wie sie sinnvoll miteinander verbunden werden können – damit am Ende eben nicht nur der berühmte „bunte Blumenstrauß“ entsteht.

Ich habe mit beiden Varianten gearbeitet und gespielt; auch Mischformen sind selbstverständlich möglich. Welche Herangehensweise die bessere ist, hängt nach meiner Erfahrung immer von der konkreten Situation ab. Dazu gehören auch ganz praktische Vorgaben wie der Auftrittsort, die Zielgruppe, die vorhandene Besetzung oder die Anzahl der Proben. In einer Kirche wird man vermutlich kein Programm aus Trinkliedern oder Liedern mit anzüglichen Texten gestalten wollen. Und bei begrenzter Probenzeit ist es manchmal schlicht nicht möglich, viel neues Repertoire einzustudieren.

Umso wichtiger ist es, aus dem Vorhandenen bewusst etwas zu formen: mit Kontrasten, Übergängen, Spannungsbögen und Momenten des Innehaltens. Dann wird ein Konzertprogramm mehr als eine Abfolge schöner Stücke – es wird selbst zur Komposition.

Nun wünsche ich Ihnen neue Ideen und Impulse beim Lesen dieser Ausgabe.

Ihre

Dorothee Götz

Editorial
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