Rezension: „Aus für Strauss“ von Thomas Brezina
Autor Thomas Brezina ist bekannt für seine Kinder- und Jugendbücher, allen voran die Knickerbocker-Bande. Weil der Wiener aber auch schon Kaiserin Sisi in Krimis ermitteln ließ, entstand anlässlich des 200. Geburtstages von Johann Strauss (1825-1899) ein Kriminalroman für Erwachsene, der sich um den Walzerkönig dreht.
Die Kunst dieses Buches liegt in der Aufbereitung ihrer Geschichte. Im Nachhinein erscheint die Handlung recht simpel – doch das ahnt der/die Lesende nicht. Erst kurz vor Schluss gelingt es, Schlüsse zu ziehen und sich einen Reim auf all die aufgeworfenen Fragen zu machen.
Brezina erzählt von Verbrechen, in die Johann Strauss seinerzeit verwickelt war – und vom mysteriösen Verschwinden einer Studentin 2024 in Wien. Was das miteinander zu tun hat? Diese Frage stellen sich nicht nur die Leser:innen, sondern auch eine junge Journalistin. Gewissermaßen gemeinsam schickt Brezina sie auf Forschungs-Reise.
Der Autor greift dafür auf zwei Mechanismen zurück: Einerseits springt er geschickt kapitelweise zwischen der Ära Strauss und dem Jahr 2024 hin und her, andererseits gibt er seinen Leser:innen Informationen nur scheibchenweise preis, ohne ihnen das Gefühl zu vermitteln, welche zurückzuhalten.
Seine Klasse zeigt Brezina nicht in komplexen Formulierungen – der Roman ist sprachlich flüssig und äußerst angenehm zu lesen –, sondern im „Bauplan“.
Was ist wahr? Was ist Fiktion?
Auch wenn man das Eine oder Andere über die Familie Strauss weiß, kommt man ins Grübeln, welche Aspekte nun erfunden sind und wen und was es tatsächlich gegeben hat. Es macht den Reiz des Eintauchens in diesen Roman aber auch aus, sich auf die Mischung aus Fiktion und Historie einzulassen.
Empfehlung nach erprobter Vorgehensweise: Erst nach Beendigung der Lektüre nachgoogeln!

