Musik begeistert, verbindet und eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven. Doch wie sieht der Arbeitsalltag der Menschen aus, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben? Von der Konzertbühne über das Klassenzimmer bis hin zum Kulturmanagement und zur Musikförderung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, beruflich mit Musik zu arbeiten. Sechs Menschen erzählen von ihren ganz persönlichen Wegen, geben Einblicke in ihren Berufsalltag und verraten, welche Fähigkeiten gefragt sind, was sie antreibt und welche Tipps sie angehenden Musikschaffenden mit auf den Weg geben.
1. Theresa Szorek
Sopranistin und Musikjournalistin
Mein Beruf: Ich bin als Sopranistin vor allem in der Neuen und Alten Musik tätig – solistisch, in Chören, Ensembles und mit meinem Duo. Außerdem arbeite ich als Musikjournalistin, unter anderem für WDR 3
Mein Weg: Bachelor Schulmusik und Englisch auf Lehramt, Erasmus Operngesang in Krakau, Master Neue Musik Gesang in Stuttgart, Akademie beim SWR Vokalensemble und Master Schulmusik und Englisch auf Lehramt. Dazu kamen ein Volontariat bei der Rheinischen Post und journalistische Tätigkeiten.
Das begeistert mich: Besonders mag ich die Chorproben – von der ersten Leseprobe bis zum finalen Durchlauf. Als Freiberuflerin schätze ich es, verschiedene kulturelle Interessen miteinander verbinden zu können.
Diese Fähigkeiten braucht man: Smalltalk!
Das hätte ich selbst gerne gewusst, bevor ich diesen Weg eingeschlagen habe: Dass es möglich ist, damit Geld zu verdienen. Ich konnte sehr lange nicht fassen, dass ich gerade wirklich für etwas bezahlt werde, was mir Spaß macht.
Mein Tipp: „Blattsingen üben und immer gut einsingen!“
2. Rebecca Mebus
Abteilungsleitung Kultur, FILharmonie Filderstadt
Mein Beruf: Gemeinsam mit meinem Team entwickle ich Kulturangebote, plane Programme und arbeite mit Künstler:innen und Agenturen zusammen. Außerdem begleite und moderiere ich Veranstaltungen und entwickle die FILharmonie als Ort der Begegnung weiter.
Mein Weg: Ich habe Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Musikwissenschaften in Saarbrücken studiert. Erste praktische Erfahrungen sammelte ich bei den Schwetzinger SWR Festspielen und im Management des Landesjugendchors Saar.
Das begeistert mich: Menschen durch Kultur zusammenzubringen. Dabei ist es mir wichtig, die Interessen von Künstler:innen, Publikum und Mitarbeitenden in Einklang zu bringen. Wenn am Ende alle Beteiligten das Gefühl haben, Teil einer gelungenen Veranstaltung gewesen zu sein, ist das für mich der größte Erfolg.
Das ist herausfordernd: Eine der spannendsten Herausforderungen meines Berufs ist die Programmgestaltung. Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Veranstaltungen auszuwählen, sondern ein vielfältiges Angebot zu entwickeln, das unterschiedliche Kultursparten berücksichtigt und die Interessen unseres Publikums aufgreift. Gleichzeitig gilt es, neue Impulse zu setzen und Bewährtes weiterzuführen.
Diese Fähigkeiten braucht man: Neugier, Leidenschaft für Kultur und Offenheit für unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen. Gleichzeitig braucht es Organisationstalent, Kommunikationsstärke, Empathie und eine Portion Humor.
Das hätte ich selbst gerne gewusst, bevor ich diesen Weg eingeschlagen habe: Rückblickend hätte ich gerne gewusst, dass Perfektion nicht das Wichtigste ist. Viel entscheidender sind Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, auf Menschen zuzugehen. Fachwissen kann man sich aneignen, aber Leidenschaft für Kultur und Freude an der Zusammenarbeit mit anderen Menschen sind die Eigenschaften, die diesen Beruf wirklich prägen. Außerdem habe ich erst im Berufsleben erkannt, wie sehr Kulturmanagement auch Beziehungsarbeit ist. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, Menschen zusammenzubringen, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.
Mein Tipp: Möglichst früh praktische Erfahrungen sammeln, Fragen zu stellen, Verantwortung übernehmen und Kontakte knüpfen. Kultur lebt von Engagement, neuen Ideen und Menschen, die etwas bewegen wollen.
3. Katharina Löthe
Fachreferentin für Musik in der Abteilung Kulturförderung, Kulturamt der Stadt Stuttgart
Mein Beruf: Die Kulturförderung unterstützt Stuttgarter Kultureinrichtungen und Projekte, greift aktuelle Themen auf und setzt sich für innovative Entwicklungen ein. In diesem Kontext bin ich inhaltlich für alle die zuständig, die in Stuttgart Musik machen oder veranstalten. Und das gilt für alle Genres – von der Alten Musik über den Jazz bis zum Pop – und für alle Arten von Einrichtungen – von Orchestern und Chören über Festivals bis hin zum Jazzclub. Ich vermittle, vernetze, berate und unterstütze Künstler:innen sowie Einrichtungen bei der Erarbeitung von Konzepten und der Entwicklung innovativer Projekte.
Mein Weg: Ich wollte mich beruflich mit Musik beschäftigen, ohne selbst professionell zu musizieren. Deshalb studierte ich Musikwissenschaft mit den Nebenfächern Englisch und Betriebswirtschaftslehre. Anschließend arbeitete ich unter anderem in der Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit und im Veranstaltungsmanagement.
Das begeistert mich: Herausfordernd und spannend finde ich, dass ich immer an Schnittstellen arbeite. Ein Beispiel ist die Projektförderung. Musiker:innen wollen künstlerische Projekte umsetzen, die ihre eigene Dynamik und Logik haben, und sie sollen dafür öffentliche Gelder rechtlich korrekt zur Verfügung gestellt bekommen und verwenden. Es trifft also Musikszene auf Verwaltung. Vorher müssen diese Projekte ausgewählt werden, dafür arbeite ich mit einer Jury aus Musikexpert:innen zusammen. Schön ist es natürlich, dass es auch zu meinem Job gehört, die Musikszene gut zu kennen und dafür viele Veranstaltungen zu besuchen.
Diese Fähigkeiten braucht man: Kommunikationsfähigkeit, Verständnis für unterschiedliche Interessen und strukturiertes Arbeiten.
Das hätte ich selbst gerne gewusst, bevor ich diesen Weg eingeschlagen habe: Das gilt sicher für fast alle Berufswege: Die Welt ist volatil, das heißt, man muss sich auf lebenslange Veränderung einstellen, neugierig bleiben und sich gut vernetzen.
Mein Tipp: Musik zu machen ist wunderbar. Ich singe mein Leben lang in Chören und verbinde damit so viele künstlerisch und menschlich besondere Erlebnisse. Ich bin unbedingt der Meinung, man sollte eine Karriere im großen Feld der Musik verfolgen, wenn man dafür brennt. Trotzdem würde ich auf jeden Fall ausprobieren, welcher Weg der richtige ist, z.B. über Praktika. Zwischendurch sollte man den Realitätscheck machen: Kann ich auf dem eingeschlagenen Weg das Leben führen, das ich haben möchte?
4. Frederic Mattes
Komponist, Arrangeur, Sänger und angehender Musiklehrer
Mein Beruf: Ich komponiere und arrangiere Vokalmusik und singe im calens vocalensemble sowie im VOCES8 Scholar Ensemble. Einige meiner Werke sind bei Helbling und VOCES8 Publishing erschienen. Im Januar 2027 beginne ich mein Referendariat.
Mein Weg: Schon während meiner Schulzeit war ich für einige Zeit als Jungstudent im Fach Gesang an der Musikhochschule Stuttgart eingeschrieben. Schließlich entschied ich mich für ein Schulmusikstudium mit Hauptfach Gesang an der HMDK Stuttgart. Hinzu kamen Jazz/Pop mit den Hauptfächern Trompete und Komposition sowie Chordirigieren.
Das begeistert mich: Was mich auf meinem musikalischen Weg immer wieder antreibt, ist die Begeisterung für das Unbekannte. Ich möchte Dinge ausprobieren, neue Klänge entdecken und Ideen verfolgen, von denen ich anfangs vielleicht selbst noch nicht genau weiß, wohin sie mich führen. Für mich gehört genau das zum kreativen Prozess: neugierig zu bleiben, sich etwas zuzutrauen und den Mut zu haben, immer wieder Neues zu wagen.
Das braucht man: Abgesehen von der musikalischen Qualifikation braucht man meiner Meinung nach: Empathie, Begeisterungsfähigkeit, ein offenes Ohr und sicherlich eine Prise Geduld und Resilienz.
Mein Tipp: „Traut euch!“ Trefft euch mit netten, gleichgesinnten Menschen, singt in Ensembles und Chören oder gründet selbst etwas. Dabei könnt ihr unglaublich viel lernen, musikalisch wachsen, wertvolle Erfahrungen sammeln und eigene Bearbeitungen ausprobieren. Verlage sind an neuem Material interessiert. Mein damaliger Professor sagte mir „Es gibt nix Gutes, außer man tut es!“.
5. Nele Gerhard
Musik- und Deutschlehrerin, Chorleiterin und Abteilungsleiterin
Mein Beruf: Ich unterrichte Musik und Deutsch am Gymnasium und leite den Jungen Chor Fellbach. Am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium verantworte ich außerdem als Abteilungsleiterin die Kooperation des Musikgymnasiums mit der Musikschule Stuttgart und der HMDK. Ich organisiere hier Auftrittsmöglichkeiten, Kooperationskonzerte, Aufnahmeprüfungen und Jahresprüfungen zusammen mit einem Team aus Instrumental-und Gesangslehrer:innen, Stimmbildnerinnen und Dozenten der Hochschule.
Mein Weg: Ich habe Schulmusik und Germanistik studiert mit dem Ziel, Lehrerin zu werden.
Das begeistert mich: Mir gefällt es besonders gut, junge Menschen eine Zeit lang zu begleiten und sie zu motivieren, über sich hinauszuwachsen. Besonders herausfordernd ist, dass sie so unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen.
Das braucht man: Man braucht die Fähigkeit, andere für etwas zu begeistern; unbedingt braucht man Humor, Mut und Organisationstalent. Klavierspiel-Fähigkeiten sind sehr wichtig!
Mein Tipp: Man sollte das machen, wofür man am meisten brennt! Chorleiterin macht umso mehr Spaß, je mehr Erfahrung man hat!
6. Valentin Bauer
Musikalischer Assistent des Domkapellmeisters am Kölner Dom
Mein Beruf: Ich arbeite als musikalischer Assistent des Domkapellmeisters am Kölner Dom. Im Zuge dessen dirigiere ich den Domchor (Knabenchor am Kölner Dom), betreue Projekte des Opernkinderchors der Kölner Oper, unterrichte die Singenden der Chöre am Kölner Dom und arbeite an musikpädagogischen Konzeptionen.
Nebenher bin ich Dozent für Gesang und Gesangsdidaktik an der Bischöflichen Kirchenmusikschule Essen. Freischaffend bin ich als Solosänger (Tenor) im Konzertfach und als Ensemblemitglied professioneller Chöre deutschlandweit aktiv. Eine besondere Ehre ist es aber für mich, dass ich seit vergangenem Jahr Stimmbildner des Landesjugendchors Baden-Württemberg bin.
Mein Weg: Zunächst studierte ich Musik und Germanistik auf Gymnasiallehramt in Stuttgart. Es folgten Masterabschlüsse in Instrumental-/Gesangspädagogik und Gesang in Düsseldorf. Durch meine Beschäftigung mit dem Thema „Singen in der Pubertät“ spezialisierte ich mich auf die Gesangspädagogik.
Das begeistert mich: Mir gefällt es, mit Menschen zu singen und gemeinsam Musik zu machen, aber auch Singenden weiterzuhelfen und sie dazu zu befähigen, so zu singen, dass es ihnen selbst Spaß macht. Es ist sehr beglückend, glückliche Gesichter von Singenden oder Zuhörenden im Konzert, aber auch in der Arbeit davor, zu sehen.
Das finde ich herausfordernd: Herausfordernd sind so manche Rahmenbedingungen, mit denen wir Kulturschaffenden derzeit kämpfen. Dazu gehörten beispielsweise die Auswirkungen des „Herrenberg-Urteils“ auf die Lehrstellen an Sing- und Musikschulen. Weitaus herausfordernder dürften aber die finanziellen Kürzungen in Kunst und Kultur sein, vor denen wir derzeit deutschlandweit stehen.
Das braucht man: Neben einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung sind vor allem Empathie, Toleranz und Hilfsbereitschaft von zentraler Bedeutung.
Das hätte ich selbst gerne gewusst, bevor ich diesen Weg eingeschlagen habe: Gerne hätte ich gewusst, wie kompliziert es sein kann, freischaffend beruflich tätig zu sein – sowohl als Sänger als auch als Pädagoge. Man erliegt schnell der Versuchung von der „großen Freiheit“, sich sein Berufsleben selbst gestalten zu können. Wie wenig Spielraum für Selbstverwirklichung jedoch in Projekten und in der Abhängigkeit von nicht beeinflussbaren Faktoren steckt, merkt man mitunter erst spät.
Mein Tipp: Bleibt dran, denn es lohnt sich! Die Chorlandschaft in Deutschland ist so reich an Toleranz und an Möglichkeiten für junge Menschen, sich selbst auszuprobieren. Egal ob man nun als Berufssänger:in, Gesangspädagog:in oder Dirigent:in arbeitet: Im Beruf trifft man überall auf wunderbare Menschen, die den eigenen Berufsweg positiv bereichern.








