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SINGEN 2020-02, Thema

Nach 100 Jahren weiterhin positiv nach vorne blicken

Dorothee Ackermann
1. Februar 2020
1920 war nicht nur gesellschaftlich ein Jahr des Aufbruchs. Der Wandel zeigte sich auch in den Strukturen des Schwäbischen Sängerbundes nachhaltig

100 Jahre gemeinsames Singen – das feiern dieses Jahr sechs der insgesamt 24 Regionalchorverbände im Schwäbischen Chorverband. Sie verstehen sich als Mittler zwischen den ortsansässigen Gesangvereinen und dem Schwäbischen sowie dem Deutschen Chorverband und als Unterstützer für ihre Vereine, die zum Teil schon wesentlich älter sind.

 

,,Da kennt jeder Jeden“

Seit mehr als 40 Jahren führt Wolfgang Oberndorfer als Präsident den Regionalverband Donau-Bussen. Seine Liebe zur Chormusik hat bereits zur Schulzeit angefangen. Später leitete er zwei kleine Chöre, ein Blas- und ein Streichorchester – und war nebenher Grund- und Hauptschullehrer, Konrektor und außerdem Familienvater. ,,Die ganze Arbeit mit den Vereinen und für die Vereine und die Musiker hat Spaß gemacht und ich bin dankbar dafür, dass ich das tun konnte“, betont der 76-Jährige. Im vergangenen Jahr wollte Oberndorfer die Verantwortung für den Chorverband in jüngere Hände geben, doch prompt wurde er ein weiteres Mal zum Präsidenten gewählt. So kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum habe sich niemand gefunden, sagt er. ,,Ich bin nicht der Typ, der den Verband hängen lässt“.

Der Chorverband Donau-Bussen reicht von Ehingen, über Bad Buchau, Ingstetten und Ehestetten bis Hohentengen. ,,Wir sind zwar ein langer Schlauch an der Donau entlang, aber da kennt jeder jeden, das ist eine wunderbare Sache“, findet Oberndorfer. Offiziell gegründet wurde der Chorverband im Juli 1920 von einem Ausschuss der Sängervereinigung Bussen. Wie viele Vereine kämpft auch der Chorverband Donau-Bussen heute mit schrumpfenden Mitgliederzahlen und Nachwuchsmangel. Eine Herausforderung für die nächsten 100 Jahre:,, Es kommt keiner mehr, der sagt ,ich möchte Singen‘, sondern ich muss die Menschen dazu bringen, dass sie singen wollen, ihnen das schmackhaft machen.“ Der 76-Jährige ist überzeugt: Die Chöre müssen das ganze Jahr über für sich werben und die Jugend verstärkt einbinden.

Zum 100-jährigen Jubiläum will der Chorverband Donau-Bussen seine Vereine ins Zentrum rücken. Neben einem Empfang im Rathaus Munderkingen am 29. März sind unter anderem ein Tandemsingen von einem Erwachsenenchor und einem Kinder- und Jugendchor geplant sowie ein Gottesdienst auf der Wallfahrtskirche auf dem Bussen (dem mit 767 m ü. NHN Meter hohen Berg und Mitnamensgeber des Chorverbands). Für November ist dann das Abschlusskonzert in der Klosterkirche in Untermarchtal angedacht.

Den Vereinen in seinem Verbandsgebiet wünscht Oberndorfer, dass sie die Herausforderungen der nächsten Jahre meistern. Den Vorsitz möchte er gerne in naher Zukunft abgeben – allerdings nur, wenn er – wie er sagt –  einen ,,schaffigen und zuverlässigen“ Nachfolger findet.

 

,,Wir haben immer alle Herausforderungen gemeinsam gemeistert“

Zwischen Tübingen, Reutlingen und Bad Urach liegt die Heimat des Dichters Ludwig Uhland und das Verbandsgebiet des gleichnamigen Chorverbands. Eberhard Wolf ist dort seit 30 Jahren aktiv, 2016 hat er die Leitung übernommen. Dem Verbandsgebiet ist er auf ganz besondere Weise verbunden: Denn er war einige Jahre Bürgermeister der Gemeinde St. Johann auf der Schwäbischen Alb. Auf das 100. Jubiläum in diesem Jahr beginnend mit einem Festakt am 24. April freut er sich. ,,Zwei Tage später wird der Ludwig-Uhland-Weg zehn Jahre alt. Das ist ein Pfad vom Schloss Tübingen zur Wurmlinger Kapelle, an dem wir Liedertafeln aufgestellt haben mit zehn Texten zu Liedern von Ludwig-Uhland. Entlang der Strecke sollen verschiedene Chöre singen.“ Vom 17.-19. Juli finden dann in Bad Urach die Chortage 2020 statt.

Von den Jubiläumsveranstaltungen erhofft sich Wolf, Kinder und Jugendliche für das Singen in den Vereinen zu begeistern. ,,Ich denke, dass wir schon versuchen müssen, verstärkt den Schulterschluss zu den Schulen und Bildungseinrichtungen zu suchen. Wir haben zum Beispiel für das Jubiläum nicht nur unsere Kinder- und Jugendchöre angeschrieben, sondern auch Chöre, die bisher mit unserem Verband noch keine Berührungspunkte haben“, so Wolf. Doch der Nachwuchsmangel ist nicht die einzige Herausforderung für die Zukunft des Chorverbands Ludwig Uhland:,, Wir haben immer alle Herausforderungen gemeinsam gemeistert. Es ist schade, dass auch wir in den letzten Jahren das Problem haben, dass wir bestimmte Positionen nicht mehr so besetzen können, wie es laut Satzung eigentlich nötig ist“, bedauert Wolf. So sei beispielsweise seit 1,5 Jahren die Position des Jugendreferenten im Beirat nicht besetzt. Wolf hofft, dass durch die Jubiläumsveranstaltungen ein Freiwilliger auf diese Aufgabe aufmerksam wird und den Verband in der Heimat des Dichters Ludwig Uhlands unterstützt.

 

,,Singen ist für mich ein Rückzugsort, wo ich entspannen kann.“

Ebenfalls einen prominenten Namensgeber hat der Chorverband Friederich Silcher, der nach einem der bedeutendsten Volksliedsammlern des 19. Jahrhunderts benannt wurde. Zum Verband gehören aktuell 98 Vereine mit insgesamt ungefähr 4.500 Sängerinnen und Sängern von Schwäbisch Gmünd über das Remstal bis nach Waiblingen. Im Rahmen des Jubiläums plant der CVFS am 24. und 25. Oktober einen Festakt und ein Kinderchorfest in Schorndorf.

Hans-Albert Schur ist seit 2002 im Verband aktiv, seit 2008 präsentiert er ihn nach außen. Die größte Herausforderung sieht er darin, dass die Vereine von traditionellem zu modernem Liedgut umdenken müssen. ,,Die Vereine haben momentan das Problem, dass sie ein Durchschnittsalter von 60+ oder sogar 70+ haben, und da wollen keine 30-Jährigen dazu“, sagt der 54-Jährige. ,,Wenn sich die Vereine nicht neu erfinden, dann sind sie bald nicht mehr auftrittsfähig.“ Schur liegt die Kinder- und Jugendarbeit am Herzen. Sein Verband plant, in den nächsten Jahren regelmäßig Konzerte von Kinder- und Jugendchören und möglicherweise auch ein entsprechendes Festival durchzuführen. Schur betont: ,,Singen ist für mich ein Rückzugsort, wo ich entspannen kann. Das Singen begeistert mich.“

 

,,Es ist momentan schwer, die Vereine abzuholen“

,,100 Jahre und kein bisschen leise“ – unter diesem Motto feiert der Chorverband Hohenstaufen im Kreis Göppingen seinen 100. Geburtstag. Organisiert hat das Programm im Jubiläumsjahr ein Kreativteam unter der Federführung von Projektleiter Helmut Gerlitzer: ,,Die Arbeit in dem Team macht besonders Spaß, weil sich jeder selbstlos mit einbringt und seine Ideen sprudeln lässt. Und wenn man dann sieht, was aus dem Gesamtpaket geworden ist, dann macht das Freude.“

Geplant sind nach der Auftaktveranstaltung in der Stadthalle Göppingen am 8. März unter anderem ein Kindermusical, ein Flashmob auf dem Marktplatz und ein Konzert auf dem Schloss Filseck. Am 20. Dezember endet das Jubiläumsjahr mit einem Adventskonzert in Geislingen. Rund 40 Chöre bringen sich ein. Dass es noch so viele werden, danach sah es für Gerlitzer eine Zeit lang nicht aus: ,,Es ist momentan ein bisschen schwer, die Vereine abzuholen. Bei manchen hat man den Eindruck, sie wollen sich gar nicht weiterentwickeln, vielleicht haben sie schon resigniert. Manche Chöre sind überaltert und wollen sich nicht mehr der Herausforderung stellen, neue Sänger zu integrieren.“

Der 60-Jährige ist seit 18 Jahren im Chorgesang aktiv und seit 14 Jahren Vorsitzender im Verein Böhmenkirch. Für die kommenden 100 Jahre sieht er vor allem eine Herausforderung: ,,Es ist immer schwieriger, Positionen zu besetzten und einige Verbandsmitglieder haben signalisiert, dass sie ihr Engagement gerne beenden möchten. Wir wollen uns dieses Jahr intensiv damit beschäftigen, wie wir auf neue Leute zugehen können.“ Der Verband müsse stärker in Projektzyklen denken, findet er.

 

,,Die Stuttgarter Chortage sind unser Ding“

Keine Sorgen um den Nachwuchs macht sich dagegen Jürgen Grieb, seit acht Jahren Präsident des Wilhelm-Hauff-Chorverbands Stuttgart. ,,In den Zahlen sind wir entgegen dem Trend relativ konstant. Wir bemühen uns seit 25 Jahren, dass wir Aufbauarbeit machen: Bei uns sind Schulen und Kirchenchöre Mitglieder, wir unterstützen Kinder- und Jugendchöre. Schon vor 25 Jahren haben wir die ersten Schulchöre aufgenommen und die Sängerjugend gegründet. Das hat sich auf alle Fälle bezahlt gemacht“, ist Grieb überzeugt.

Aktuell besteht der Verband aus 59 Vereinen, 3.787 aktiven und 2.060 fördernden Mitglieder. Gegründet wurde der WHCV am 7. November 1920 in Stuttgart. Jürgen Grieb schätzt die Arbeit im WHCV. ,,Die Aufgaben sind unheimlich breit gefächert: von der Beratung potenzieller neuer Vereine, bis zur Betreuung von Vereinen, die am Aussterben sind.“ Das Jubiläum feiere der Verband ab März unter anderem mit einem Familientag, erzählt Grieb: ,,Wir wollen dort zeigen, dass es Musik für alle Altersgruppen gibt. Es gibt Kurzreferate, wir singen mit dem Publikum und haben einen Koffer voll Trommeln für Kinder ab drei Jahren dabei.“ Daneben wird es ein Kirchenkonzert geben und einen Festakt im November. Trotz aller Freude auf das Jubiläum sind für Jürgen Grieb die Prioritäten klar: ,,Natürlich feiert man das Jubiläum, aber die Stuttgarter Chortage sind unser Ding.“

Im Hinblick auf die Chortage 2021 hat sich der WHCV große Ziele gesteckt: ,,Wir hatten mit den letzten Chortagen 2018 ein wirklich dickes Brett gebohrt, da war sogar der Schwäbische Chorverband ganz platt, was wir auf die Beine gestellt haben. Da wollen wir natürlich weiter machen.“

 

,,Jeder Mensch kann Singen“

,,Ich kann nicht Singen“ – das zählt beim Chorverband Friedrich Schiller nicht. Sein ,,Ich kann nicht Singen – Chor“ richtet sich an Menschen, die Lust haben zu singen, sich aber nicht trauen oder sich nicht fest an einen Verein binden wollen. Mario Brenner, Präsident des CVFS, ist überzeugt: ,,Jeder Mensch kann singen.

In unserem Verband haben wir Laienchöre, die natürlich auch einen gewissen Anspruch haben, aber wir sind keine Profichöre.“ Wichtig ist für den 54-Jährigen die Freude am Singen. Gegründet wurde der Verband zu einer Zeit, in der Männer ganz selbstverständlich in einen Gesangsverein gegangen sind. Denn der sorgte für Abwechslung und Gemeinschaft. Gerade darin liegt aus Sicht Brenners auch heute noch der Wert eines Chors: Alt und Jung singen gemeinsam – das sorgt für einen Austausch zwischen den Generationen und rettet so manchen Senior aus der Einsamkeit. Für Brenner ist Singen außerdem gut für die Gesundheit, weil man beispielsweise kontrolliertes Atmen lernt.

Insgesamt 58 Vereine aus Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis gehören dem CVFS an. Nach 15 Jahren hatte die Vorsitzende Anita Gnann-Hass im März 2019 das Amt niedergelegt. Nun leiten der Verbandskassierer, der Chorleiter und Mario Brenner als Präsident den Verband gemeinsam. ,,Es war uns ganz wichtig, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Wir wollten den Chorverband auf die Zukunft vorbereiten“, erklärt Brenner die Entscheidung.

Im Zentrum des Jubiläumsjahres steht laut dem Präsidenten auch beim CVFS die Frage, wie die Vereine für neue Mitglieder attraktiv sein können. ,,Da müssen wir auch unsere Mitglieder und die Politiker anspitzen. Die Politik vergisst, dass es auch mal ums Geld geht und nicht alles aus-
schließlich mit Ehrenamtlichen gestützt werden kann.“ Am 15. März feiert der Verband im Deutschen Literaturmuseum in Marbach sein Jubiläum, zwei weitere Veranstaltungen finden am 21. und 22. März in Ludwigsburg und Backnang statt, unter anderem eine Tangomesse. Doch bei aller Vorfreude betont Brenner: ,,Es ist nur ein Verbandsjubiläum. Das tatsächliche Leben findet in unseren Mitgliedsvereinen statt.“ Der 54-Jährige wünscht seinen Vereinen, dass Jung und Alt noch besser zusammenkommen: ,,Wir haben ein tolles Hobby! Wir müssen den Spaß vermitteln und dann habe ich keine Angst mehr um die Zukunft der Chöre.“

Chor, Schwäbischer Chorverband
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