was ist das doch für eine zauberhafte Erfahrung, die wir Chormenschen teilen dürfen: Man hatte einen harten Tag, Geist und Körper sind angespannt – aber dann kommt man zum Chor: Tief atmen und eintauchen in ein Bad aus weichem, harmonischem Zusammenklang, Alltag und Sorgen „abwaschen“. Man richtet sich emotional und körperlich auf, spürt die Verbundenheit mit sich und mit anderen.
Chorsingen ist nicht „nur“ Kulturpflege, sondern auch Pflege der Gesundheit! Deshalb wäre „Chorsingen auf Rezept“ für einzelne Patienten, unser Gesundheitssystem und unsere Gesellschaft sicherlich förderlich. Gleichzeitig können Chöre auch stressig sein: Für die Chorleitung, welche zahlreichen Ansprüchen und Wünschen gerecht werden möchte, für die Haupt- und Ehrenamtlichen, welche sich um die Organisation kümmern, und für Chormitglieder, die vielleicht Ängste und Leistungsdruck verspüren.
Deshalb nimmt diese Ausgabe die mentale Gesundheit beim Singen aus verschiedenen Perspektiven in den Blick. Sandra Bildmann kennt als Sängerin selbst Lampenfieber und Co und teilt wertvolle Strategien und Tipps für Chormitglieder. Mit Bernhard Richter, Claudia Spahn und Peer Abilgaard kommen in dieser Ausgabe drei der renommiertesten deutschen Musikmedizin-Profis zu Wort. Sie teilen mit uns auf verständliche Weise ihre Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung und geben uns fundierte Empfehlungen und Tipps für die Chor-Praxis.
Das Wort „Chor-Praxis“ hat hier bewusst eine schöne Doppeldeutigkeit: Wir wollen Ihnen mit dieser SINGEN-Ausgabe einmal mehr ganz praxisnahe Texte geben – und das Bewusstsein dafür, dass Ihr Chor wie Medizin für Geist und Körper ist: Der schönste Praxis-Termin der Woche!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen – und noch mehr beim nächsten gemeinsamen Akkord!
Maximilian Stössel
Geschäftsführer der ProStimme GmbH (Tochterunternehmen
des Schwäbischen Chorverbands, Verlag der SINGEN)

