Der neue LMV-Präsident im Interview
Seit Juli steht Georg Wacker an der Spitze des Landesmusikverbands Baden-Württemberg. Im Kurzinterview spricht er über seine Motivation und die wichtigsten Themen für die kommenden Jahre.
Herr Wacker, warum haben Sie das Amt des LMV-Präsidenten übernommen?
Musik war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Vor meiner Zeit in der Politik war ich viele Jahre als Musikpädagoge, Orchestermusiker und Musikschulleiter tätig. Deshalb ist dieses Amt für mich eine Rückkehr zu meinen musikalischen Wurzeln. Ich freue mich darauf, mich künftig mit ganzer Kraft für die Amateurmusik in Baden-Württemberg einzusetzen und die erfolgreiche Arbeit von Christoph Palm fortzusetzen.
Warum braucht die Amateurmusik eine starke Interessenvertretung?
Weil sie oft unterschätzt wird. Viele denken zunächst an Konzerte oder Feste. Tatsächlich leisten unsere Musikvereine, Chöre und viele andere vielfältige Ensembles aber viel mehr. Sie bringen Menschen zusammen, fördern Kinder und Jugendliche, übernehmen Verantwortung und schaffen Gemeinschaft. Gerade in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten sind solche Orte des Miteinanders wichtiger denn je.
Welche Themen möchten Sie in den kommenden Jahren besonders voranbringen?
Drei Themen sind mir wichtig: Erstens möchte ich die musikalische Qualität in den Vereinen weiter stärken. Dafür brauchen wir gute Aus- und Fortbildungsangebote für Dirigent:innen, Vereinsverantwortliche und alle, die sich engagieren.
Zweitens müssen wir mehr Kinder und Jugendliche für das gemeinsame Musizieren begeistern. Wir brauchen attraktive Angebote und eine enge Zusammenarbeit mit Schulen sowie unserem langjährigen Partner, dem Landesverband der Musikschulen. Sehr erfreulich ist auch unsere Kooperation mit dem Volkshochschulverband, um engagierte Menschen aus der Amateurmusik zu qualifizieren und Kindern im Ganztag qualitätsvolle Angebote unterbreiten zu können.
Und drittens möchte ich die gesellschaftliche Bedeutung der Amateurmusik noch stärker sichtbar machen. Unsere Vereine leisten unglaublich viel, von der Persönlichkeitsbildung und Integration über die soziale Teilhabe bis hin zur Demokratiebildung – das muss in Politik und Öffentlichkeit noch stärker wahrgenommen werden.
Was erwarten Sie von Politik und Kommunen?
Unsere Mitgliedsverbände und Vereine brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Nachwuchsarbeit, Qualifizierung und Projekte lassen sich nicht von Jahr zu Jahr planen. Deshalb sind eine langfristige Förderung und die Unterstützung durch Städte und Gemeinden von großer Bedeutung.
Ich bin sehr froh, dass es seit langem zwischen dem Landesmusikverband und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst einen offenen Austausch und eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit gibt. Ich schätze auch sehr die guten Kontakte zum Landtag von Baden-Württemberg, der bisher eine wertschätzende finanzielle Förderung durch den Staatshaushaltsplan ermöglicht hat.
Wenn Sie in drei Jahren auf Ihre erste Amtszeit als LMV-Präsident zurückblicken – woran würden Sie den Erfolg Ihrer Arbeit messen?
Wenn die Amateurmusik politisch noch stärker wahrgenommen wird, unsere Vereine verlässliche Rahmenbedingungen und Perspektiven haben und wir viele junge Menschen für das gemeinsame Musizieren begeistern konnten. Vor allem aber wünsche ich mir, dass die Menschen im Land noch stärker erkennen, welch unschätzbaren Beitrag die Amateurmusik für unser gesellschaftliches Leben leistet.
Zur Person
Mit Georg Wacker hat der Landesmusikverband seit Juli einen neuen Präsidenten. Der frühere Geschäftsführer der Staatlichen Toto-Lotto GmbH, langjährige Landtagsabgeordnete und Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport war vor seiner politischen Laufbahn als Dipl. Musiklehrer und Orchestermusiker tätig; zuletzt als Leiter der Städt. Musikschule Renningen.

