Welche Berufe es im Bereich der (Chor-)Musik abseits von Gesang und Chorleitung gibt. Ein Überblick.
Dass ich Musik mag und sie eine große Bedeutung für mein Leben hat, wusste ich schon immer. Während der Schulzeit wurde mir zunehmend klarer, dass sie in meinem Leben nicht nur als Hobby eine Rolle spielen soll. Ich wusste aber auch: Berufsmusikerin bzw. Sängerin zu sein, ist ein hartes Geschäft. Ich wollte also „irgendetwas mit Musik“ machen, das meine Neigungen und Fähigkeiten miteinander verbindet. Lange Zeit ging ich davon aus, Musiklehrerin zu werden. Stattdessen studierte ich Musikjournalismus, verwirklichte mir anschließend den Traum vom Gesangsstudium und studierte als bodenständigen Kontrapunkt Kulturmanagement. Die Bandbreite an Tätigkeitsfeldern im Musikbereich ist aber noch viel größer. Die Tätigkeiten lassen sich in drei Gruppen einordnen: die Musikmachenden, die Lehrenden und die Verarbeitenden. Nicht immer lassen sie sich strikt trennen, denn wer zum Beispiel Musik lehrt, muss auch selbst Musik machen können.
Die Musikmachenden
Der Klassiker unter allen Musikberufen ist natürlich das unmittelbare Ausüben: als Sänger:in solistisch oder in einem Berufschor bzw. als Instrumentalist:in solistisch oder in einem Orchester. Was zunächst toll klingt, sollte aber wohl überlegt sein, denn die Anforderungen an die eigenen Fähigkeiten sind enorm, die internationale Konkurrenz bereichert mittlerweile insbesondere den deutschen Markt. Bereits bei Aufnahmeprüfungen wird ein hohes Niveau erwartet, sowohl im Hauptfach als auch in Musiktheorie, Gehörbildung und Klavierspiel. Unerlässlich sind Fähigkeiten der Selbstvermarktung.
Der/die Dirigent:in trägt die künstlerische Verantwortung für eine Aufführung. Er/sie leitet das Orchester, plant Proben und muss sie gründlich vorbereiten. Je nach Besetzung arbeitet er/sie auch mit Sänger:innen und Chören zusammen. Der/die Dirigent:in sollte von allen Anwesenden am besten Bescheid über das Repertoire wissen. In der Regel wird von Dirigent:innen auch eine hohe Kompetenz im Klavierspiel erwartet, das sie z. B. bei Einstudierungsproben anwenden müssen.
Komponist:innen sind die besonders Kreativen unter den praktisch Arbeitenden: Sie erfinden neue Musik und schreiben oft Auftragsmusik für einen bestimmten Zweck, z. B. für die Bühne, Film und Werbung. In Zeiten von KI bekommt die technische Komponente dieser Arbeit einen höheren Stellenwert.
Als Kirchenmusiker:in ist man für die musikalische Gestaltung von kirchlichen Veranstaltungen und Konzerten verantwortlich. Neben der Organisation dieser Beiträge wird in aller Regel eine fundierte Ausbildung als Organist:in und Chorleiter:in erwartet. Diese wird an (Kirchen-)Musikhochschulen erworben.
Die Lehrenden
Um als Musiklehrer:in an einer allgemeinbildenden Schule tätig zu sein, ist ein Studium erforderlich. Wer später an einer Realschule die sogenannte Sekundarstufe I unterrichten möchte, kann in Baden-Württemberg an einer pädagogischen Hochschule studieren. Dabei ist Musik aber nur Nebenfach, mindestens ein Hauptfach (Mathe, Deutsch, Englisch) kommt dazu. Wer die Sekundarstufe II an einem Gymnasium unterrichten möchte, muss an einer Musikhochschule Schulmusik studieren. Auch hier wird meistens ein zweites Fach in Kooperation mit der hiesigen Universität studiert. Die vorausgesetzten Fachkompetenzen in den Bereichen Hauptfach, Theorie, Gehörbildung, Klavierspiel und Dirigieren sind dabei an einer Musikhochschule deutlich höher als an einer pädagogischen Hochschule.
Wer als Musikschullehrer:in unterrichtet, hat sein Fach in der Regel selbst studiert, künstlerisch oder mit einem pädagogischen Schwerpunkt. Oft wechseln Berufsmusiker:innen im späteren Verlauf ihrer Karriere oder aus familienplanerischen Gründen in die Pädagogik. Viele streben aber von Anfang an die Laufbahn als Lehrkraft an. Hier gibt es unterschiedliche Modelle als Freischaffende:r mit Honorarverträgen oder Festanstellungen. Unterrichtet werden nicht nur ambitionierte Jugendliche, sondern Schüler:innen jeden Alters und Anspruchs. Oft gehört auch Ensembleleitung mit zum Aufgabenspektrum.
Elementare Musikpädagog:innen fokussieren sich auf ganzheitliche und niedrigschwellige Vermittlung von Musik. Für Menschen ohne Vorerfahrung gestalten sie spielerische Zugänge zur Musik, auch in den Bereichen Bewegung und Improvisation. Nicht selten verfolgen sie interdisziplinäre Ansätze. Ziel ist es, Freude an der Musik zu vermitteln und die musikalische Grundbildung zu fördern – unabhängig vom Alter der Schüler:innen. Die Musikhochschulen im Land bieten spezifische Studiengänge dafür an.
Die Musik Verarbeitenden
Musikvermittler:innen sind das Bindeglied zwischen den künstlerischen, pädagogischen und managenden Kräften. Sie haben in der Regel sowohl eine fachpraktische Ausbildung an einem Instrument als auch theoretische und wissenschaftliche Kenntnisse. Zum Aufgabenfeld gehört häufig, neue Vermittlungswege, Konzepte und (Konzert-)Formate zu entwickeln. Sie bewegen sich dabei ständig zwischen dem Profi-, Amateur- und schulischen Musikbereich.
Musiktherapeut:innen arbeiten in sozialpädagogischen und medizinischen Einrichtungen, freischaffend oder in offenen Praxen. Sie arbeiten mit Kindern und Jugendlichen genauso wie mit Erwachsenen und Senior:innen, mit Orientierungssuchenden und teils Schwerstkranken. Musiktherapeut:innen setzen Musik gezielt ein, um die seelische, körperliche oder geistige Gesundheit von Menschen zu erhalten oder wiederherzustellen. Die Aufnahmeprüfung an einer Hochschule umfasst neben den instrumentalpraktischen und theoretischen Fähigkeiten auch einen therapeutisch-psychologischen Teil.
Musikwissenschaftler:innen beschäftigen sich mit der wissenschaftlichen Analyse, Erforschung und Dokumentation von Musik. Sie untersuchen verschiedene Aspekte der Musikgeschichte, -theorie und -praxis und arbeiten in Bereichen wie Forschung, Archiv, Pädagogik und Journalismus. Während für die allermeisten musikbezogenen Studiengänge strenge Regeln bei Aufnahmeprüfungen angewandt werden, kann die Musikwissenschaft meist zulassungsfrei studiert werden. Praktischer Musikunterricht ist normalerweise nicht Teil des Curriculums.
Der/die Musikjournalist:in betrachtet die Musik- bzw. Kulturbranche von außen, mit einem kritischen Blick, aber auch als Lobbyist:in für die Musik im Kontext anderer journalistischen Ressorts. Musikjournalist:innen arbeiten freischaffend oder festangestellt für Medien wie Zeitungen, Fachmagazine, Radio, Fernsehen und zunehmend auch als Social-Media-Content-Creator. Die klassische Konzertkritik ist dabei nur ein kleiner Teil des Aufgabenspektrums. Musikjournalismus kann man explizit studieren, aber auch andere Ausbildungswege lassen sich fusionieren.
Hauptsächlich organisieren Musikmanager:innen Konzertveranstaltungen oder -touren und übernehmen das Marketing für Künstler:innen. Häufig trifft man sie aber auch bei Musikverlagen, Konzert- oder Bookingagenturen, bei Bildungseinrichtungen, in der Filmwirtschaft, der Software-/Games-Industrie und in sämtlichen Bereichen der PR.
Tonmeister:innen sind hochqualifizierte Fachleute im Bereich der Audiotechnik, die in der Musikproduktion, im Rundfunk, bei Film- und Fernsehproduktionen sowie bei Konzerten tätig sind. Sie sind verantwortlich für die Aufnahme, ihre Bearbeitung, das Abmischen und die Nachbearbeitung, weshalb Tonmeister:innen auch selbst vom praktischen Muszieren mehr als nur eine Ahnung haben sollten. Oft haben sie deshalb zusätzlich selbst ein Instrument studiert.
Audiotechniker:innen sind für die technische Gestaltung und den Einsatz von Audioanlagen bei Veranstaltungen verantwortlich. Sie kümmern sich um die Installation, Konfiguration und Bedienung von Mikrofonen, Lautsprechern, Mischpulten und weiteren Geräten. Audiodesign kann studiert werden, ein möglicher Weg führt aber auch nach der Mittleren Reife über eine Ausbildung.
Veranstaltungstechniker:innen sind verantwortlich für die technische Planung, Einrichtung und Durchführung von Veranstaltungen. Sie arbeiten mit den anderen Gewerken zusammen und sorgen dafür, dass die technische Infrastruktur reibungslos funktioniert. Für Ausbildungen an Berufsfachschulen genügt meist die Mittlere Reife.
Instrumentenbauer:innen sind für die Herstellung, Reparatur und Restaurierung von Musikinstrumenten zuständig. Sie fertigen Instrumente nach technischen Zeichnungen, prüfen die Klangqualität und beraten ihre Kunden. Dabei erfordert ihr Handwerk nicht nur technisches Können und Präzision, sondern auch ein tiefes Verständnis für Materialien und Klangcharakteristika. Oft spezialisieren sie sich auf eine bestimmte Instrumentengruppe. Bei diesem Beruf handelt es sich um einen klassischen Handwerksberuf, der als Ausbildung direkt im Betrieb stattfindet.
Darüber hinaus gibt es eine große Zahl an Handwerksberufen, die im Bühnenkontext arbeiten können. An Theatern beispielsweise sind Bühnentechniker:innen, Schneider:innen, Schlosser:innen, Kostüm- und Maskenbildner:innen, Requisiteur:innen, Kulissenbauer:innen beschäftigt. Ausbildungen bieten die Theater meist selbst an. Zu beachten ist, dass Theaterschaffende meist tagsüber und in den Abendstunden arbeiten, wenn andere Feierabend haben.
Mentoren- und Lotsenausbildungen
Ideale Einstieghilfen, um einerseits die in allen musikbezogenen Berufen sinnvollen Grundkenntnisse zu erwerben und andererseits mehrere Tätigkeitsbereiche kennenzulernen, sind die Mentor:innen- und Lots:innen-Ausbildungen. Beide werden vom SCV in Kooperation mit anderen Verbänden sowie in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium angeboten. Richtet sich der Lots:innen-Kurs an 12- bis 15-Jährige, baut das Mentorenprogramm für Jugendliche ab 15 Jahren inhaltlich darauf auf. Kernelemente sind das Musizieren und Dirigieren im Ensemble, Grundlagen der Musiklehre, Methodik sowie Stimmphysiologie und Instrumentenkunde.
https://s-chorverband.de/ausbildungen
https://landesmusikverband-bw.de/wp-content/uploads/2025/02/Berufe-mit-Musik_148x148_RZ_A.pdf


