Ideen mit denen Vereine ihre Situation auf den Prüfstand stellen können und eine positive Vereinsentwicklung anstoßen können.
Vorstandswechsel, neue Mitsänger, Jugendarbeit, das Ende des “Stammchores”. Die Presse zeigt regelmäßig, dass “wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit”. Der Alltag eines Vereins ist ständig in Bewegung. Veränderungen sind der Normalfall.
Chöre wie der Liederkranz Waldenbuch (auf S. 24 dieser Ausgabe) und der Seemanns-chor Friedrichshafen (S. 26 der Ausgabe Dezember 2017) zeigen, dass es sich lohnt die Veränderungen im Verein anzupacken. Denn wer Veränderungen und kleine Krisen anpackt, kann diese – mit etwas Mut und guten Ideen – zu Chancen machen. Veränderungen, Probleme und Chancen die erkannt wurden, können gesteuert werden und bleiben nicht dem Zufall überlassen.
Do it Yourself – Die Vereinsentwicklung
Nun werden sich wohl die wenigsten Vereine eine umfangreiche Organisationsberatung leisten können. Dennoch lohnt sich ein Invest in die Vereinsentwicklung, um die Zukunft für den Verein zu sichern. Hierfür braucht es vor allem Zeit. Denn dann lassen sich auch mit wenig Geld interessante Erkenntnisse erreichen und nachhaltige Entwicklungen anstoßen.
Im Folgenden stellen wir einige Methoden vor, um die Vereinsentwicklung zu steuern. Der Fragebogen rechts kann dabei immer wieder als Anregungen eingesetzt werden um sich selbst ein Bild zu machen und Diskurse anzustoßen.
Zukunftswerkstatt
Ein Verein ist sicherlich mehr als die Summe seiner Mitglieder. Aber ohne die Unterstützung und Begeisterung der Mitgleider ist die zukunftsorientierte Vereinsentwicklung zum Scheitern verurteilt. Im Change Management, das die Veränderungen in Organisationen steuert, gilt als Grundsatz: “Betroffene zu Beteiligten machen”. Oberstes Ziel eines Vereinsentwicklungsprozesses muss daher sein, möglichst viele Vereinsmitglieder einzubinden, ihre Meinung zu hören und sie ernst zu nehmen. Auch – und vielleicht auch ins-besondere – die Kritiker und Nörgler müssen zu Wort kommen und für ein gemeinsames Ziel gewonnen werden.
Eine Zukunftswerkstatt kann eine geeignete Methode sein, die Mitglieder in die Vereinsentwicklung einzubinden. Die wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen ist Zeit. Die zweite Voraussetzung ist eine Offenheit in den Ergebnissen. Denn nur so fühlen sich die Teilnehmer ernst genommen.
Eingeladen zur Zukunftswerkstatt werden alle, die Lust haben sich mit der Zukunft des Vereines auseinanderzusetzen und ihre Ideen einzubringen. Vorrangig sind das natürlich Mitglieder, ggf. aber auch Ehemalige oder einzelne Vertreter anderer Vereine, der Gemeinde oder eines Verbandes.
Ein möglicher Ablauf für eine eintägige Zukunftswerkstatt wäre folgender: Den Auftakt macht ein gemeinsamer Blick auf den aktuellen Status des Vereines. Hierzu kann beispielsweise eine SWOT-Analyse in Kleingruppen eingesetzt werden, die dann zusammengetragen wird in einer an eine Wand projezierten Tabelle. Die Analyse wird in der Großgruppe diskutiert und wichtige Handlungsfehler zusammengestellt. Ausgehend davon können in (neu zusammengestellte) Kleingruppen Ziele entwickelt werden, wie mit den Handlungsfeldern umgegangen wird. Wichtig ist immer wieder an die Ergebnissoffenheit zu erinnern und auch ausgefallene Ideen nicht sofort zu bremsen, sondern zu sammeln und später zu bewerten. Abschließend darf jeder Teilnehmer die Ziele bewerten, um so ein gemeinsames Bild zu entwickeln, in welche Richtung der Verein sich aus Sicht der Teilnehmer entwickeln soll.
Vorstandsklausur
Die Vorstandschaft sollte für anstehende Veränderungen und die Kommunikation der Ziele insbesondere in den Verein hinein sich einig sein über die Ziele und Methoden der Entwicklung. Denn wenn einzelne Vorstandsmitglieder erreichte Schritte offen in Frage stellen oder Meinungen diffamieren, droht die Vereinsentwicklung zum Chaos zu werden. Ziel der Klausur ist, im Vorstand Ideen zu entwickeln und am Ende mit einer gefestigten Meinung gemeinsam vor den Verein zu treten. Natürlich sind Vorsitzende erfahrene Sitzungsmoderatoren. Dennoch lohnt
es sich für eine Klausur über einen externen Moderator nachzudenken. Nicht weil er es besser kann – sondern weil er neutral ist. So kann auch der Vorsitzende seine Interessen in die Diskussion einbringen ohne als Moderator an Neutralität zu verlieren.
Feedback-Box
Ein einfaches Mittel, um Rückmeldungen zur Situation im Verein zu erhalten, ist eine Feedback-Box. Bewusst ist sie nicht als Mecker-Box gestaltet, sondern animiert auch dazu, positive oder neutrale Rückmeldungen zu geben. Die Feedback-Box sollte gut sichtbar angebracht sein. Sowohl anonyme als auch namentlich gekennzeichnete Rückmeldungen sind erwünscht. Es ist sinnvoll, dass der Vorstand sich in jeder Sitzung kurz mit dem Rückmeldungen befasst, dazu Position bezieht. Und gleichzeitig beschließt, wer in welcher Form den Mitgliedern berichtet. Denn nur wer das Gefühl hat, dass die Anmerkungen ernst genommen werden, gibt auch Rückmeldungen. Ab und an kann eine kleine Mitgliederbefragung die Nutzung der Feedback-Box zusätzlich aktivieren.
Jetzt anfangen
Sicherlich haben auch Sie bereits viele gute Ideen und Beispiele, wie Sie Ihren Verein in die Zukunfts-Entwicklung mit einbeziehen. Mit unserer Checkliste auf der rechten Seite wollen wir Sie ermutigen alleine, aber auch im Gespräch im Vorstand, der Abteilung und mit anderen Chormitgliedern, über Ihren Verein nachzudenken und so die Zukunft des Vereines selbst in die Hand zu nehmen.
Johannes Pfeffer