Off Track Tübingen zeigt, dass Musik kein Alter kennt. Off Track – Rock-Pop-Chor für Ältere
„Ich wollte keine Volkslieder im Altersheim singen. Ich suchte einen Chor, der den Übermut meiner jungen Jahre widerspiegelt“, so die Sängerin Waltraud Koneczny, Gründungsmitglied von „Off Track“. Die gebürtige Frankfurterin hat in den 50er Jahren in der dortigen Jazz-Szene mitgemischt: „2008 sah ich den US-amerikanischen Dokumentarfilm „Young@Heart“. Ein Chor, in dem ältere und erkrankte Menschen Rock- und Popsongs ihrer Jugend singen, hat mich tief berührt und inspiriert. Mitten in der Nacht traf ich den Entschluss, selbst einen solchen Chor zu
gründen.
Aller Anfang ist schwer, aber möglich
Die Chorleitersuche war zu Beginn nicht erfolgsversprechend. Eines Tages fand sich aber die bis heute erste Chorleiterin von „Off
Track“, Jane Rudnick. Der Chor singt alleinig Musik aus den Jahrzehnten, aus denen die Mitglieder stammen. „Wir haben Spezialisten für die Musik der 50er Jahre, das Zeitalter ‚Sex, Drugs & Rock’n Roll‘, wir haben eine Sängerin, die in Amerika studiert hat und bei der Premiere des Musicals ‚Hair‘ dabei war und wir haben Beatles-Experten. Und das zeichnet den Chor aus.“
Der Chor steht niemals alleine auf der Bühne. Eine perfekt ausgestattet Rockband unterstützt den Sound alter Zeiten. „Off Track“ heißt so viel wie „etwas neben der Spur“, und in der Tat verlangt es von den Sängerinnen und Sängern, sich auch mal neben der Spur zu bewegen.“, so die Chorleiterin, Jazz-Sängerin und Gesangspädagogin Jane Rudnick. 2018 zählt der Chor 22 Frauen und neun Männer.
Jede Woche eine Probe
Jeden Donnerstag Nachmittag wird in der Hirsch Begegnungsstätte für Ältere in Tübingen geprobt. Durch Begeisterung, ausgelassenes Temperament und pädagogisches Geschick gelingt es dem Chor, sich schnell aus einer bunt zusammengewürfelten Runde eine Chorgemeinschaft zu entwickeln und ein vielseitiges und sich stetig erweiterndes Repertoire zu erarbeiten. „Die Chorarbeit besteht aus sehr viel Körperarbeit. Intonation, Festigung der Stimme und Choreographie sind Arbeitsfelder, die den Mitgliedern viel abverlangen. „Wir singen nicht nur mit der Stimme, sondern mit dem ganzen Körper.“ In den letzten Jahren hat sich auch eine professionelle Selbstreflexion gebildet. Das heißt, dass die Chormitglieder selbst Fehler und Unstimmigkeiten erkennen und selbst verbessern wollen.
Im Jahr 2010 wurde „Off Track“ von zwei Absolventinnen des Studiengangs Medienwissenschaften an der Universität Tübingen begleitet. Der daraus resultierende Dokumentarfilm „Off Track“ portraitiert den Chor bei den Proben, bei öffentlichen Auftritten mit der Band, die den Chor dabei begleiten, und lässt einzelne Chormitglieder zu Wort kommen. Seit ein paar Jahren sind Freundschaften mit anderen Rock-Pop-Chören für Ältere in ganz Deutschland entstanden. Das bringt auch regelmäßige Konzertreisen mit sich. Für 2019 wird aktuell das zehn jährige Jubiläum intensiv vorbereitet.
Neue Mitglieder sind herzlich willkommen, müssen sich aber zunächst im Chor bewähren und eine Schnupperphase bestehen. Für
viele ist der Chor eine Art Zweitfamilie, die voll Lebensfreude sprüht. Und ihr Motto ist Programm. „Wir sind Off Track, ein bisschen
neben der Spur, ein wenig skurril, aber immer mobil!“