Singen in welcher Formation auch immer tut gut – egal in welchem Alter. Wichtig dabei ist nur: Man muss es auch tun.
Es ist Mittwoch Nachmittag, 14:30 Uhr im Treffpunkt 50+. Die Stühle sind bis auf wenige Plätze komplett gefüllt, Frau Jansen kümmert sich um das Einsammeln der Mitmach-Gebühr und verteilt die Bücher. Unterstütz wird sie von vielen der Anwesenden. Man kennt sich, man hilft sich. Hier geht es nicht nur um singen. Hier wird man gerne Teil einer Gemeinschaft, die offen für alle ist, die die gleiche Leidenschaft beseelt.
Frau Jansen, die Organisatorin: So Funktioniert ein Singkreis
„Mein Vorgänger Herbert Behr wollte mit 76 Jahren aufhören diesen Singkreis zu organisieren und zu planen. Niemand meldete sich. Nach einem Jahr war immer noch keine Nachfolge gefunden. Da hat man mich als Rheinländerin angesprochen, ob ich das nicht machen möchte. Zu Hause habe ich es mir dann überlegt. Ich wollte eigentlich nur zum Singen kommen. Aber da ich mit Menschen sehr gerne Zusammenarbeit, habe ich
mich entschlossen und gesagt `Reiß dich zusammen´. Und somit habe ich die organisatorische Leitung übernommen“, erklärt Frau Jansen, wie sie selbst vor 20 Jahren von einer Sängerin zur Organisatorin wurde – ein Schritt, den sie nie bereut hat. „Singen ist gesund,nur deswegen bin ich so alt geworden“, bestätigt sie. Der Singkreis gehört fest zu ihrem Leben, strukturiert die Woche, gibt ihr viele soziale Kontakte.
In einem Singkeis wird gesungen, im Chor ebenso. Dennoch sind beide Formate nicht miteinander zu vergleichen. der Ansatz ist ein anderer. Das weiß auch Kai Müller, der seit 1993 den Singkreis Stuttgart musikalisch leitet.
„Das schöne am Singkreis ist, dass immer wieder neue Teilnehmer dazukommen, obwohl man keine Werbung dafür macht. Es gibt keinen Stress mit Auftritten und somit wird das Singen auch entspannender und nimmt auch mir als Chorleiter den ´Chorstress` mit Einsingen, Intonation, Repertoireauswahl weg“, freut sich Müller. Das Augenmerk liegt hier nicht so sehr auf der musikalischen Rafinesse, sondern auf dem guten Gefühl, dass man etwas gemeinschaftlich gemacht hat. Das zeigt sich auch in der Literaturwahl. Schlager der 20er, 30er, 40er und 50er Jahre, aber auch Volkslieder stehen auf dem Programm. Wer Geburtstag hat, darf sich ein Lied wünschen, ansonsten entscheidet der Chorleiter über die Liedfolge.
erfahren, dass es hier einen Singkreis mit Kai Müller gibt. Deswegen bin ich heute hier und möchte es mir mal anschauen. Ich muss singen, weil es mir ein Bedürfnis ist und ich dadurch wieder unter Menschen komme“ bestätigt auch eine Sängerin, die zum ersten mal am Singkreis teilnahm. Man kann aber auch auf kleinen Umwegen wieder zum Singen kommen. „Ich war im Juli bei einer anderen Veranstaltung im Nebenraum des Singkreises. Da habe ich es schallend gehört und dachte mir „Da wäre ich jetzt lieber“, bestätigt ebenfalls ein Neuling in der Gruppe.
Singen ist wichtiger Bestandteil des Treffpunkt 50plus
„Der Singkreis ist ein Juwel in den vielen Angeboten in unserer Kultur- und Bildungseinrichtung. Denn Singen tut der Seele gut. Das gilt für Volkslieder wie auch für geistliches Liedgut. Alle Gefühle von der Freude bis zur Traurigkeit finden im Singen ihren Ausdruck. Hinzu kommt, dass gemeinsames Singen das Miteinander stärkt“, sagt Thomas Reusch-Frey, Leiter des treffpunkt 50plus.
Dieses Gemeinschaftsgefühl ist tatsächlich greifbar, wenn am mittwoch Nachmittag Frau Jansen die Gäste begrüßt, Herr Müller in die Tasten haut und Frau Götz sich um das leibliche Wohl kümmert. Eine eingespielte Truppe mit viel Spaß und sozialem Gespür eben.