So lautete die Einladung zu einem ganz besonderen Konzert, bei dem das Consortium Vocale Stuttgart unter der Leitung von Julia Lerner zum ersten Mal gemeinsam mit der Drag Queen Madame de la Voix aus Stuttgart auftrat. Zusammen nahmen sie die Herausforderung an, ein Programm aus anspruchsvoller Chor-Literatur einerseits und solistischen Darbietungen aus Klassik, Chanson und Musical andererseits zusammenzustellen und als Gesamtkunstwerk auf die Bühne des Marmorsaals im Weißenburgpark zu bringen. Als Unterstützung am Klavier war Marite Männi engagiert worden, die international als Pianistin tätig ist und nun zum wiederholten Male das Consortium Vocale bei einem Konzert virtuos begleitete.
Das Programm des Abends spannte einen großen Bogen durch die Welt der Mythen, Legenden, Geschichten und Träume. Die Intention, altbekannte klassische Konzerttraditionen hinter sich zu lassen und Grenzen zu verschieben war in vielen kleinen Momenten spürbar. Zu hören waren einerseits klassische Werke von Brahms, Elgar, Gjeilo und Schubert, aber auch seltener aufgeführte Werke wie „Daemon irrepit callidus“ von Orbán oder „Les djinns“ von Fauré. Martin Benzing gab als Solist aus dem Tenor die Erzählung der Gruselpuppe Dolly wieder, inklusive eines manischen, raumfüllenden Lachens. Das alte biblische Thema der Kindstötung besang der Chor in Stopfords Arrangement „Lully, Lulla, Lullay“, einem Wiegenlied, das den Zuhörern tief unter die Haut ging. Lea Johannes vom 1.Sopran hob dabei ein sternenklares Klagelied als Solistin über den Chorklang.
Madame de la Voix führte beim Konzert nicht nur durch das Programm, sondern gab auch selbst vielfältige Werke zum Besten. Zwischen Musical, Chanson und Oper gab es für sie auch noch mehrere Outfitwechsel. Als unverkennbares Highlight präsentierte sie Janaceks Werk „Song to the Moon“ aus der Oper Rusalka in einem bodenlangen weißen Mantel und einer turmhohen Perücke, in die ein tatsächlich leuchtender Mond eingelassen war.
So wechselten sich Madame de la Voix und das Consortium Vocale ab, sangen aber auch gemeinsame Stücke, so z.B. beim Arrangement von Mendelssohns „Herbstlied“, das eigentlich für drei Frauenstimmen geschrieben ist. Hier übernahm Madame zielsicher die Mittelstimme.
Gegen Ende des Konzerts gab es noch ein besonderes Highlight für das Publikum. Der Chor samt Dirigentin und auch Madame verließen die Bühne und verteilten sich in gemischter Aufstellung im ganzen Saal rings um das Publikum. Dermaßen eingerahmt schlossen viele Besucher ihre Augen und genossen den eingehenden a cappella Klang beim Stück „In this heart“ von Sinéad O‘ Connor.
Für dieses gelungene musikalische Gesamtkunstwerk wurden die Sängerinnen und Sänger und auch Madame de la Voix mit begeistertem Applaus, Standing Ovations und allen vorbereiteten Zugaben vom Publikum belohnt. Viele Zuhörende blieben noch lange nach dem Konzert, um sich zu unterhalten und das Gehörte nachklingen zu lassen.
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